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Der jüdische Student · 1926-06-01 · Heft 3 (Juni 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 3 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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70 Unsere Bewegung, die eine neue Gesellschaft aulrichten will, schlieft in sieh das Anerkenntnis der Freiheit des Individuums. Aber der übertriebene Individualismus, der im Individuum Zweck und Ziel sieht, ist unserer Bewegung nicht angemessen, er fließt nicht aus unserem Kulturgefüh! und aus unseren wahren Bedürfnissen. In Europa gab es in Perioden des Absterbens gesellschaftlicher Formen eine Flucht aus der Gesellschaft, dort war Raum für einen Byronismus und für einen Nietzscheanismus. Da, wo für wahren Heroismus und wahre Persönlichkeit kein Raum ist. ist immer Platz für ein ideologisches Spiel mit dem Persönlichkeitsbegriff, für eine Flucht aus der Gemeinschaft in die Romantik. Helden und Männer der Tat hat diese Romantik nicht hervorgebracht. Der Zionismus aber ist eine Gemeinschaftsbewegimg. Sie «»chiif eine Bewegung wie den Chaluz. Helden wie Trumpeldor, und zwar nicht als das Resultat ästhetisiercnder Individualistin sondern als Frucht eines verpflichtenden Gemeinschaftsideals. So lange das Volk Israel im Galuth existiert, ist von besonderer Wichtigkeit jenes innere Kulturgefühl gewesen, das in den Begriffen ..Thora" und ..MizwotlV inbegrilfen ist. Wir werden ..Nir41 nicht ohne .,Halacha" schaffen. Wir brauchen die Ideologie der Gemeinschaft, die die schöpferische Persönlichkeit hervorbringen wird. Feh verhehle mir nicht, daß wir das Werk der Gesellschaft ..Nir". auch nur vom theoretischen oder juristischen Standpunkt aus betrachtet, noch nicht zum Abschluß gebracht haben, aber eine umfassende Kritik wäre doch möglich gewesen, wenn wir hierher nicht bloß mit den Statuten gekommen wären, sondern auch mit den Vertragsentwürfen. Denn hier in den Verträgen liegt der Schwerpunkt, und jeder, der seine Handlungsfreiheit und die Autonomie des Einzelbetriebes bewahren will, muß dieses Ziel verfolgen, nicht durch Negierung von ..Nir", sondern dadurch, daß er in der Formulierung der Verträge die notwendigen Garantien schafft. Es ist zu bedauern, daß diese Arbeit bisher nicht geleistet worden ist. Der Vertrag muß die internen Statuten des Betriebes enthalten und muß biegsam genug sein, um einerseits die Beobachtung unserer gesellschaftlichen Grundprinzipien zu garantieren, andererseits die Freiheit der wirtschaftlichen Entwicklung. Manche fürchten, daß die Grenzpflöcke, die wir heute setzen, die wirtschaftliche Entwicklung in der Zukunft einengen könnten. In dieser Hinsicht befindet sich unsere Generation in einer sehr verantwortlichen Situation, denn jede unserer Taten legt eine Richtlinie für Generationen fest. Wenn unser Geschlecht nicht den Grund zur hebräischen Eingangspräche gelegt hätte, wer weiß, was in Zukunft aus unserer Kultur ge worden wäre. Wenn wir unsere Bewegung nicht auf sittliche Prinzipien gegründet hätten, so halte unser Leben und das der kommenden Generationen eine ganz andere Gestalt angenommen. Man muß nur glauben, daß sich in der weiteren Entwicklung unserer Bewegung genug Kraft und Stärke und innere Energie offenbaren wird, um unser Werk zu verbessern und doch die wahre Richtung innezuhalten. Ich komme nun zum Hauptpunkt. Ich erblicke in der Gründung von ..Nir'" das dringende Gebot der Stunde, sowohl vom organisatorischen als vom finanziellen als auch \om politischen Standpunkte aus Viele von uns erinnern sich, daß von Ettinger diese Forderung bereits vor Jahren erhoben wurde. Als Ruppio den Kolonisationsfond vorschlug, forderte Ettinger einen Arbeit«*rkoloni-

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