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Der jüdische Student · 1926-06-01 · Heft 3 (Juni 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 3 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Die Chewrath=>Nirt=Debatte 07 Im Laufe der letzten Jahre wurden im Zionismus eine Anzahl von Versuchen gemacht, um unsere autonome Stellung anzugreifen. Man wii! nicht verstehen, daß diese Autonomie die Vorbedingung für den Aufbau des Landes ist, daß der Aufbau nicht denkbar ist, wenn er sich? auf unorganisierte Ansiedler gründet, die einer Beamtenschaft unterstehen, und daß viele Werke, durch die. die zionistische Bewegung erstarkt ist» ohne diese Autonomie nicht ausgeführt worden wären. Man hat Versuche gemacht, mit den Ansiedlern über die Köpfe der „Führer** hinweg zu verhandeln. Gegenwärtig besteht diese Gefahr nicht, aber wir können uns nicht für alle Zukunft auf Wunder verlassen. Wir müssen endlich verstehen lernen, daß man eine große Kolonisation nicht auf familiärer Grundlage aufbauen kann, und daß man große Gemeinschaften auf großen Flächen nicht mit derselben Methode ansiedeln kann, mit der wir Kwuzoth nach Hulda und Gan Schemuel gebracht haben. Ich will nicht zu viele Beispiele bringen, um nicht wie ein Ankläger zu erscheinen. Ich will nur noch auf ein Beispiel aus der Geschichte der allgemeinen. Kolonisation verweisen. Im Jahre 1892 wurde in Neuseeland eine Agrarreform eingeführt, die Neuseeland in die Reihe der fortgeschrittensten Länder rückte. Das Eigentum am Boden wurde verstaatlicht. Diese Reform wurde von den landwirtschaftlichen Arbeitern gefordert, die nicht für alle Zeiten Lohnarbeiter bleiben wollten. Nach 15 Jahren aber saßen die Vertreter dieser ersten Ansiedler, dieser ehemaligen Radikalen, im Parlament. Unterdessen waren diese Arbeiter wohlhabende Farmer geworden, und jetzt hielten sie es für notwendig, (iie Reform, die durch sie selbst eingeführt worden war, wieder aufzuheben. Die Erbpacht (und zwar eine Erbpacht auf 99 Jahre) wurde wieder aufgehoben, das Privateigentum am Boden erhielt wieder Geltung. Der gegenwärtige Zustand eines Betriebes beweist also nichts für seine zukünftige Entwicklung, und wenn wir unsere Grundsätze, auf denen allein das Land aufgebaut werden kann, für alle Zeiten sichern wollen, so müssen wir gesetzliche Regeln schaffen, die uns davor bewahren, daß wir uns jeder geistigen Strömung unterwerfen. Ein solches Instrument gilt es jetzt für die Arbeiterkolonisation zu schaffen. Es wird im Anfang vielleicht, arm an Mitteln sein. Aber später wird auch seine innere Kraft wachsen, getragen auch von der Hilfe derjenigen Teile des Volkes, die in unserer Arbeit die Verwirklichung ihres Ideals sehen. Ein solches Instrument wird die nationalen und nichtnationalen Siedlungsinstitutionen und auch die Regierung dazu zwingen, unserer Bewegung als einem Faktor der Kolonisation Rechnung zu tragen. Man sagt, „Nir" bedeutet Sozialisierung der Landwirtschaft. Davon kann keine Rede sein. Wir schlagen nichts vor, was auszuführen unsere Kräfte übersteigen würde. „Nir" bedeutet keine neue Schöpfung. „Nir" ist eine umfassend gestaltete Kooperative aller landwirtschaftlichen Betriebe für gegenseitigen Kredit und gegenseitige Hilfe, verbunden mit organisierter Kontrolle der Gesamtheit der Arbeiterschaft über ihre Betriebe. Die Statuten von „Nir" enthalten keine einzige Andeutung darüber* daß ein Arbeiter von seinem Betriebe aufgehoben werden, daß einer Kolonisationsform der Vorzug vor einer anderen gegeben werden könnte. „Nir" verfügt ja über keine Polizeigewalt, wie man argwöhnisch unterstellt, noch bevor sie gegründet worden ist.

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