Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Urnschau Resonanz auf die zionistischen Kragen geben können, sodaß e-> nicht (irr Losungen, der Parolen bedarf, um die Geister zur Ent m heidung zu erwecken. Weiter scheint mir auch das Festhalten an dem Kongreß Programm der Z.V.f.D., das auf der Wintertagung vom Präsidiuni noch allen Ernstes proklamiert wurde, heute von den Ereignissen überholt zu sein. Daß die FVage der Erweiterung der Jewish Agency, wie sie von Wreizmann jahrelang proklamiert wurde, heute nicht durchführbar ist, kann man nach den Ereignissen in Amerika wohl ziemlich sicher annehmen. Damit entfällt schon — rein formal gesehen — dieser Teil des Programms. Wenn man gerade in der letzten Zeit die verschiedenen Meldungen über Weizmanns palästinensischen Aufenthalt sichtet, so wird man sich nicht des Eindrucks erwehren können, daß Weizmann heute >elbst irn Begriff steht, eine neue Politik zu inaugurieren, die nicht so sehr sich auf die amerikanischen jüdischen Notabein erstrecken wird, sondern die auf Genf und alle damit zusammenhängenden Faktoren zielt. Auch im deutschen Zionismus regen sich zuweilen Stimmen, die sich gegen die herrschende Richtung, wie sie besonders prägnant von der „Jüdischen Rundschau*4 vertreten wird, auflehnen. Es spricht sicher nicht f ü r den deutschen Zionismus, daß ein Artikel Worum es geht'', von Hans Bloch („Jüdische Rundschau1" Nr. 12, 1926) so wenig Widerhall ausgelöst hat. Gerade vom Standpunkt des Kartells aus müßte man den in diesem Artikel aufgeworfenen Fragen die größte Beachtung schenken. Es geht nämlich ernstlich darum, ob der Zionismus immer mehr in Abhängigkeit von pazifistischen und sozialistischen Doktrinen geraten, ob er mit der Zeit ein Ableger dieser Richtungen werden soll, oder ob er sich auf seine ursprüngliche Reinheit, auf jene gewaltige nationale Konzeption Herzls wieder besinnen soll. Die Anzeichen mehren sich heute, daß bei an sich ganz verschiedenen Gruppen die Tendenzen sich verstärken, daß im Gegensatz zu jener literatenhaften Auffassung, unter strikter Ablehnung einer zionistischen Missionsideologie (wie sie vom Prager Bar Koehba-Kreise ausgehen) zionistische» Politik nach zionistischen, d. h. nationalen Erfordernissen, wie sie unseren ersten Vorkämpfern vorschwebten, getrieben wird. Wir setzen uns damit keineswegs in Gegensatz zu den Ideen des neuen Europa, nur lehnen wir ganz entschieden jene Politik ab. die mit Schwäche und Protesten operiert, wo nationale Interessen auf dem Spiele stehen. Die klägliche Haltung, die die ..Jüdische Rund schau" anläßlich der Fahnenweihe einnahm, der erneute, unsinnige Protest gegen den Waad Leumi fordert unsere schärfste Ablehnung heraus. Mit solch einer defaitistisehen Haltung treiben wir nur die Jugend dem Revisionismus in die Arme.