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Der jüdische Student · 1926-06-01 · Heft 3 (Juni 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 3 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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60 Umschau Von Ludwig Mayer. V.J.St. Jordania München. Die Wintertagung des Kartells — so sehr sie in ihrem seminaristischen Teile als gelungen und anregend bezeichnet werden kann — hat nach einer Hinsicht fast vollkommen versagt: Sie war nicht imstande, zu einer einheitlichen Erkenntnis der Kartellsituation zu kommen, geschweige denn eine einheitliche Willensbildung für die Fortführung der Kartellarbeit herauszukristallisieren. Die Diskussion, die eine Art Generaldebatte über die seit dem letzten Kartelltag geleistete Arbeit hätte darstellen sollen, war ein Konglomerat von allen möglichen akuten und fernerliegenden Problemen, aber das eine Hauptproblem, das wirklich ernstlich im Mittelpunkt der Erörterung hatte stehen müssen, nämlich das der Politisierung, fand nicht die genügende Beachtung. M. E. trägt daran das Präsidium ein gerüttelt Maß von Schuld. Ein Prä sidium, das bei jeder Gelegenheit — und zwar mit Recht — betont, daß es nicht nur ein technischer Zentralapparat, sondern in erster Linie die Führung des Kartells darstellt, das Präsidium sage ich, hätte mit größerer Energie und Impuls die Debatten der Wintertagung beeinflussen sollen, und nachdem die Wintertagimg nicht den gewünschten Erfolg gehabt hatte, eine umfassende Kampagne im Kartell entfachen sollen. Stattdessen herrscht heute „Ruhe" im Kartell. Man wartet anscheinend ab, bis wieder eine zionistische Frage von größeren Ausmaßen die zionistische Welt bewegt und hält dann den Augenblick für gekommen, um den ganzen Problemkreis der Politisierung erneut zur Debatte zu stellen. Eine zielsichere Kartellpolitik muß aber unabhängig von den Zufälligkeiten der momentanen politischen Konstellationen geführt werden. Ist die Politisierung eine ideell«1 Notwendigkeit für das Kartell, führt sie zu einer Verstärkung unserer Position und zu einer größeren Beweglichkeit unserer Menschen, dann wird sie (ob nun Weizmann oder Jabotinsky regiert, oder ob der Delegiertentag oder Kongreß vor der Türe steht) eben durchgeführt. Oder: Man hält die Politisierung für schädlich. Nun, dann lehne man sie ab, wieder ganz unabhängig von der Lage des Zionismus oder anderen äußeren Gegebenheiten. Aber es darf nicht ein zweites Mal geschehen, daß man sich zuerst immer über da^ Prinzipielle der Politisierung in stundenlangen Konvents erörterungen entscheiden muß und erst hierauf in ebenso langen Ausführungen die Frage der materiellen Entscheidung prüfen kann. Die p r i n z i p i e 1 1 e Bedeutung der Politisierung muß in nächster Zeit geklärt werden, sie muß längstens bis zum nächsten Kartelltag entschieden sein. Dann wird auf Grund dieser ein deutigen Entscheidung das Kartell, jederzeit gerüstet, die nötige

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