Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau Gerade die letztere Bewegung soll ebenfalls mit ein paar Wor^Ji ten gestreift werden. Man hat bei uns im Kartell geglaubt, den ~ Revisionismus in Bausch und Bogen von vornherein ablehnen zu £. müssen. Seine ständige Ausbreitung zwingt uns, notgedrungen ~ uns näher mit ihm auseinanderzusetzen. Wenn auch große Teile ~ des Kartells sich in der Ablehnung der militaristischen Mentalität der Revisionismus einig sind, man kann trotzdem einen großen Teil seiner Forderung als durchaus akzeptabel betrachten. (Auch Weizmann wird — um nur ein Beispiel herauszunehmen — nicht einer größeren politischen Offensive entraten können. wrenn er die Kolonialanleihe verwirklichen will.) In einer Hinsicht kann, man sein Wirken nur begrüßen, insofern er nämlich jenen HerzL Zionismus auf seine Fahnen geschrieben hat, der gegenüber dem Überwuchern der wirtschaftlichen, judaistischen und „menschheitlichen" Faktoren dem politischen Element im Zionismus seinen gebührenden Platz wieder einräumt. Was unsere, d. h. des Kartells Einordnung in die zionistischen Parteigruppierungen betrifft, so gewöhnten wir uns daran, von einer linksbürgerlichen Position zu * sprechen; zwar nicht Verschmelzung mit der Arbeiterschaft, doch eine gewisse Anlehnung an sie. Auch hier halte ich unsere Einstellung für dringend revisionsbedürftig. Wer den Artikel Samuels über Chewrath Nir gelesen hat. weiß, daß die Arbeiterschaft mit der größten Intensität auf die Schaffung der Chewrath owdim, der sozialistischen Gesellschaft in Palästina, hindrängt. Sollen wir — angesichts unserer Minderzahl, des Fehlens von Machtposition — ein Anhängsel der Arbeiterschaft werden? Wir werden uns in Zukunft zu entscheiden haben! Unsere Neuorientierung kann und darf keine Gegnerschaft gegen die Arbeiterschaft bedeuten. Aber eine Besinnung auf die eigene Kraft des bürgerlichen Zionismus, auf Verstärkung seines Einflusses, wie es wiederholt Felix Rosenbiüth gefordert hat, das muß hier unsere Losung sein. Schon seit geraumer Zeit steht im Kartell die Frage unserer Formen im Mittelpunkt unserer Diskussionen. Paul Hirscbs Vorschläge sind im großen und ganzen als sehr annehmbar zu bezeichnen. Aber ich glaube, wir schlagen heute bei der Reorganisierung der Kartellformen den verkehrten Weg ein. Wir stellen ein an sich brauchbares System von Formen auf, aber die Menschen fehlen, vielmehr die geistige Bewegtheit unserer Menschen. Der Schrei nach neuen Formen scheint mir vielmehr ein Ruf nach einer neuen Bewegung im Karteüeben zu sein, die dann, wenn sie vorhanden, neue Formen sich baut und gestaltet Heute kommt es darauf an, trotz Ungunst der Zeit und Beschränkung unserer Mittel jene Atmosphäre zu erzeugen, wo unseren Menschen das Leben im Kartell ein hohes Jugenderlebnis wieder wird, wo man um Ideen zu streiten versteht, ja wo man in jugendlichem Überschwang jene Erlebnisfähigkeit erzeugt, in der man glaubt,