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Der jüdische Student · 1926-06-01 · Heft 3 (Juni 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 3 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Auch ein Beitrag zur Altherrenfrage o9 Tiefe einer ganzen fi<*spllsc*h:ift, die wir unserem Volke als Frucht unseres Dehrns darbringen wollen, — sagen wir einmal — sich von dem Wesen der anderen fiesellschaft nur noch graduell unterscheidet: um es ganz deutlich zu sagen: daß nicht jeder, aber jeder unter uns. jene eine unantastbare .Stelle in sich hat. wo er ' fühlt, das kann man noch mitmachen, das kann auch mal bei dir vorkommen, aber: s o darf es bei dir nie zugehen, solche Leute dürfen nicht dein Verkehr sein, so dürfen deine Kinder nicht aufwachsen, so darf die Physiognomie deines Hauses nicht sein. Und daß die bescheidene HoH'nung. daß wenigstens diese letzte stille innert» Sicherheit bei einem jeden von uns das Kennzeichen unserer Geselschaft sein würde, nicht erfüllt ist. das hat mich zu diesem Versuch, Euch aufzurütteln, getrieben. Was also soll man tun? Herauswerfen? Das soll man fleißig in der Aktivenzeit tun und sich dort beizeiten die Leute daraufhin ansehen, was man einmal von ihnen zu erwarten hat. Aber Menschen, die meist durch aufrichtige Freundschaft mit den andern verbunden sind, die jahrelang so gut und so schlecht sie es konnten, denselben Weg mit uns gingen, plötzlich erklären, daß sie schlecht, so schlecht sind, daß sie heraus müssen, sie bitter strafen für etwas, was vielleicht mehr unsere, des Karteils Schuld ist, als ihre eigene, da wrir ihnen nicht vermittelten, was wir als Gesamtheit ihnen hätten vermitteln müssen, das ginge schon schwer; aber es ist auch gar nicht möglich. Wo sollte man hier anfangen und wo aufhören; Denn wie ich schon sagte, die Fiktion, in die man sich gern selbstzufrieden einhüllt: man ist selbst der gute Zionist und alle, die irgend wie versagen, seien die sehlechten, hier wird das Letztere durch die erstaunlichsten Beobachtungen, die man macht, wenn man erst angefangen hat, die Augen zu ölTnen. unbarmherzig zerrissen. Die Meinung, die viele von uns doch ganz bewußt hatten, ein guter Zionist sein das schließe in sich den richtigen feinen Instinkt haben für menschliche Qualitäten und für eine richtige Formung des Lebens, diese Meinung scheint eine schöne Täuschung gewesen zu sein. Vielleicht war es keine, vielleicht ist das richtig: wenn wir aber nach diesem Ideal gehen wollten, was bliebe dann vom Kartell übrig. Und so bleibt nur eins: Erneuerung durch Selbsterkenntnis. Hüft Euch zurück die Tage, da Euer Zionismus und Euer V.J.St.ertuni Euer Herz Hammen ließ, da Ihr fühltet, wie das Euch hoch hinaushob über das. was um Euch im Judentume geschah, wo alles Erbärmliche und Alberne und das dumme Alltägliche, um das sich die Vielzuvielen drehen, von Euch abfiel, und dann seht zu, entspricht Euer Leben. Euer Haus dem? — In diesen Tagen feierte man in der deutschen Reichshauptstadt den Mann, der das jüdische Volk aus der Knechtschaft zur Freiheit führen soll, durch T a n z u n d T o m b o 1 a? Sollte es doch schon zu spät sein? Ich kann es nicht glauben.

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