Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Auch ein Beitrag zur Althcrrenfrage Volk aufzubauen, und Eure Tochter einmal Mütter solcher Männer sein werden? Habt Ihr schon einmal daran gedacht, der Feier jüdischer Gedenktage in Eurem Hause irgend einen besonderen Geist zu verleihen, irgend einen? Überhaupt Eurem Hause einen Stil zu geben? Und sofern Eure Frauen nichts dergleichen bedenken und vielleicht auch noch einiges andere nicht, was tut Ihr dazu"* Das sind nur einige wenige Fragen, aber sie werden genügen, damit ihr versteht, was ich meine und will. Und wer diese Fragen für sich nicht zu scheuen braucht, der schaue sich um, wie es bei den anderen um ihn aussieht. Der hier fragt, ist kein Zelot, kein düsterer Grübler, kein Sittenrichter und kein Geistesprotz. Er ist der Heitersten, einer von Euch, dem immer Humor und Lebensfreude das Leben besonnt hat, der gern lacht und gern verzeiht. Aber etwas anderes ist froher Lebensgenuß und ödes und blödes Gesellschaftstreiben, etwas anderes Humor als Veralberung und Verwitzeiung der Geselligkeit. Man soll nicht diese Zeit, in der wir verdammt sind zu atmen, die von allen guten Geistern des Geschmacks, der Schönheit und edlen Sitten verlassen seheint, beschuldigen. Gewit», es ist besc hämend, wenn so gar dieser Dunst in unsere Häuser dringt, da 13 wir nicht einmal gegen etwas so unsägiieh Jämmerliches gefestigt sind. Aber da-» Wesentliche ist das nicht. Gleichviel ob diese oder eine andere Zeit, ob diese mit ihrem Kokottengetue und ihrer Verblödung und Verödung der Geselligkeit oder eine andere mit anderen Ein wir klingen. Das Wesentliche ist: w i r haben nicht bestanden, jenes letzte Unantastbare, wir haben es nicht jedem der l nsrigen vermitteln können, und darum sind die Löcher da Man soll gewifc» nicht übertreiben, etwas Angefressensein an der Peripherie könn ten wir vertragen, aber das ist ja der Ernst bei der Sache es sind das nicht Erscheinungen der Peripherie, es ist erschreckend, mit welcher Gleichgültigkeit gute K.J.Wer dieses Herabgezogensein unseres Niveaus mit ansehen, ja anscheinend manchmal ganz, wohlig darin lierumplätschern. Man erspare mir, auch nur anzudeuten, was man aus weiblichem Munde1 aus gutem Zentrum unserer Arbeit hören kann; und welchen Sinn haben wir denn noch in der jüdischen Welt, wenn wir nicht einmal unseren Familien eine Spur unseres Geistes einzuhauchen vermögen; und wir sollen doch Vorbilder sein für noch schlechtere! Überhaupt ich vermeide es, bei dieser Betrachtung zwischen guten und weniger guten Zionisten zu unterscheiden; nicht, ob dieser oder jener einmal zionistisch richtig oder falsch reagiert hat, ist so wichtig, das ist auch durch Dressur zu erreichen, und ein Männlein, das da mal versagt hat, ist nicht ein so großer Schaden für uns, den können wir, wenn er sonst ein anständiger und guter Mensch ist, schon noch vertragen. So etwas ist unwesentlich gegenüber der bitter ernsten Erkenntnis, daB die Menschlichkeit, der Ernst und die