Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch ein Beitrag zur Altherrenfrage ailmähli* Ii sich bildend au-, denen, die w ir als Alfe Herren in das Lebern heraus entließen, eine Gesellsthaft, die schon allein durch ihre lindere Mensehliehkeit ein beredter Protest sein würde gegen die judische Gesellschaft rings um uns. Daß jeder dort ein Idealtypus in jeder Regung seiner Seele und jeder Phase seines Tuns sein würde, konnten wir nicht erwarten, wohl aber, mochte das Leben um uns hier und da auch kleine Risse ausnagen, daß schließlich doch bei jedem ein letztes Unantastbares sein würde, eine Stelle, an die all das andere von uns nicht herankäme, wo höchstens der gute Stahl dort Funken gab. wenn man ihm zu nahe kam. Jetzt ist diese jüdische Gesellschaft da; Hunderte von Alten Herren, die zum großen Teil geheiratet und Familien gegründet haben, bilden sie; und es ist jetzt Zeit, daß wir uns Rechenschaft darüber geben, wie sie aussieht. Nun, diese Gesellschaft ist nicht schlechter als irgend eine andere jüdische Gesellschaft in Berlin, Frankfurt, Breslau oder sonst wo. Sie ist sicher wohl auch noch etwas besser als jene: wie sollte denn auch von allen den wertvollen Mc ischen. die solange die l'nsrigen sind, plötzlich keine Spur mehr sein! Nein, so ist nicht die Frage, die wir uns stellen müssen, sondern wir müssen fragen: Geben diese Menschen, die, sofern wir als deutsche Zionisten für unser Werk einzustehen entschlossen waren, unsere Hoffnung sein mußten, daß wir mit ihnen das Versprechen einlösen würden, welches der Sinn unserer Arbeit war, nämlich in tiefster Verantwortlichkeit die Bausteine für ein neues und besseres jüdisches Volk herzugeben, gibt das Bild, das sie heute darbieten, eine Gewähr, daß sie diese verlaßlichen Bausteine sind und bleiben werden, indem schließlich jeder jenes letzte Heilige in sich hat: sind sie eine Gewähr, daß unsere Gesamtheit nicht nur eine Fassade ist. sondern eine zuverlässige Brücke in die jüdisc he Zukunft hinüber sein wird? \ nd wenn wir so fragen, dann könen wir leider die Frage nicht freudig bejahen. Mir sieht unser«1 Gesellschaft wie ein Sieb aus: sie hat Löcher oder mindestens sehr dünne Steilen. Mehr fester Boden als Löcher gewiß ist da. ab-. »" die Löcher und dünnen Stellen sind da, und es scheint mir. sie werden größer, und man gewöhnt sich an sie und merkt nicht, wie sie weiterfressen. Ich frage Euch, oder vielmehr ich möchte es Euch in die Ohren schreien: Wie sehen die Männer und die Frauen aus. die Euer Verkehr sind, die in Eure Häuser kommen, was treiben sie, und worüber sprecht Ihr mit ihnen? Was ist Eure Unterhaltung, wenn Ihr im bundesbrüderlichen Familienkreise zusammen seid? Welche menschlichen und jüdischen Werte sucht Ihr Euren Kindern einzupflanzen? Habt Ihr schon einmal bedacht, daß Eure Söhne jüdische Männer werden sollen, die mithelfen sollen, in Erez Israel unser 57