Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Buchbesprechung möge sich hier der einzig wirklieh zionistischen Arbeit, der Arbeit in der Gupath widmen. Auch wenn er einmal ein halbes Jahr kein Gehalt bekömmt, auch trotz all der oben geschilderten Unerfreulichkeiten! Hält er ihnen nicht stand, so mag er seine zionistische Entwicklung von voriie anfangen! Hält er ihnen aber stand, so wird dies auf die Dauer' zu seinem und dem Nutzen der hiesigen jüdischen Bevölkerung geschehen. Und darauf schließlich kommt es ja an! Ich hoffe, die Kollegen im K.J.V. werden aus diesen kurzen Ausführungen immerhin den Nutzen ziehen, nicht ganz uninformiert ins* Land zu kommen. Sollten spezielle Fragen von Bundesbrüdern vorliegen, so bin ich jederzeit bereit, Auskünfte zu geben, soweit ich dazu in der Lage bin. Eines aber möge zum Schluß noch einmal für jedenr der mit Palästina ernst zu machen gedenkt, gesagt sein: Leicht ist es nicht, und ohne echten zionistischen Idealismus geht es ganz und gar nicht! „Drum prüfe, wer sich ewig bindet . . ." Mit herzlichem, bundesbrüderlichen Gruß Euer Ruwen Elkan. Buchbesprechung. Mendale Moicher Sfurim (Schülern Jaankuv Abramo witsch)- Der Wunschring I. Teil. — Mendales gesammelte Werke. Autorisierte- Uebersetzung aus dem Jiddischen von Salomo Birnbaum. 2. Bd. Jüdischer Verlag Berlin 1925. Mendales Begabung zeigt sich in dem vorliegenden Band im hellsten Lichte. Vor allem versteht er e i n s : er kann erzählen. Schwierigkeiten des Aufbaus, der Gestaltung, der Gliederung scheinen für diesen Meister jiddischer Erzählungskunst nicht zu bestehen. Mit der naiven Sicherheit des großen Erzählergenies führt er den Leser in Familie, Heimat, Welt und Jugendschicksale seines Helden, des kleinen Herschale, ein. Die Eltern, die Geschwister, die Verwandten und Bekannten — sie alle lernen wir kennen, eine schier unerschöpfliche Fülle von Gestalten, oft mit nur wenigen Strichen meisterhaft gezeichnet. Das Leben im kleinen armen jüdischen Städtchen „Schnorringen" (ein prachtvoll beschriebener Sommerabend!) und dann der abweichende Lebensstil der größeren Stadt „Dümmingen"; die psychologisch feine Gegenüberstellung der beiden im Bethmeddresch lernenden Knaben Herschale und Moischale, von denen der eine mehr die Haggada, der andere die Halacha liebt; Rebb Awruum, der so gern das Buch Sohars liest; Refuul, der gleichsam ein Vorposten der westlichen „Bildung" im Ghetto ist — all das erzählt uns ein Mensch, der mitten drin stand in dem Leben, das den Gegenstand seines künstlerischen Schaffens bildete, ein Mensch von scharfer Beobachtungsgabe, von reichem und tiefem Geist, von warmem und gütigem Herzen. — Der Liebhaber der schönen Literatur wird an der Lektüre dieses Werkes seine Freude haben, der Sammler jüdisch-volkskundlicher Ueberlieferung reiche Belehrung aus ihnen schöpfen, der Freund kultur- und sittengeschichtlieher Schilderung ein Anschauungsmaterial von gär nicht zic überbietender Reichhaltigkeit kennen lernen.