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Der jüdische Student · 1925-10-01 · Heft 7 (Oktober 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 7 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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m Brief aus Palästina auf schweren Posten in ungewohnter Arbeit. Wenn sie derselben doch und ausreichend gewachsen sind (und man darf wohl sagen, daß das der Fall ist), so liegt das nur an ihrer gründlichen und vielseitigen Ausbildung, welche ihnen die Anpassung an hiesige Verhältnisse ermöglichte. Um mit diesem Brief nicht nur theoretische, sondern auch etwas „praktische" Arbeit zu leisten, will ich im Folgenden Euch einige Erfahrungen übermitteln, welche zwar naturgemäß aus meinem Spezialgebiet stammen und also vor allem denjenigen Bundesbrüdern, welche Mediziner sind, zugute kommen werden, welche aber vielleicht auch von allgemeinem Interesse sind, da viele Erfahrungen aus dem Leben des hiesigen Arztes sich zwanglös auf andere Berufe übertragen lassen. Welche Vorbedingungen sind von einem deutschen Arzt zu erfüllen, ehe er hoffen kann, sich dem palästinensischen Leben heute einigermaßen reibungslos einzufügen? Hervorragende, vielseitige Ausbildung war von jeher eine Spezialität der Deutschen, sollte auch immer als conditio sine qua non vorausgesetzt werden, ist aber — im Vertrauen sei es gesagt — dem hiesigen unglaublich kritiklosen Publikum gegenüber keineswegs eine sichere Bürgschaft für Erfolg! Der Durchschnittspatient hier ist vollkommen unfähig, einen tüchtigen von einem untüchtigen Arzt zu unterscheiden; die Kriterien des „guten" Arztes hier sind ganz andere als in Deutschland. Dies gilt für die Arbeit innerhalb der Gupath, für den Privat-Arzt in der Stadt, auch für die Araber^ Praxis. Beurteilt wird der Arzt nach seinem Eindruck als Mensch. Zeigt es sich, daß dieser Mensch aus einem anderen Kulturkreis stammt, eine andere Sprache spricht (sei es auch nur ein anderer Akzent), etwa gar andere Anschauungen über Reinlichkeit, Kinderernährung und Kindererziehung usw. hat, und es gar wagt, diesen Anschauungen Ausdruck zu geben (etwa zu verlangen, daß seine Patienten nächstes Mal mit reinen Füßen, geputzten Nasen oder Nägeln in die Sprechstunde kommen), so wird er vom ersten Augenblick an mit einem abgründigen Mißtrauen betrachtet werden, und alle Heilerfolge werden ihm niemals den Ruf eines „guten" Arztes einbringen. Spricht er aber möglichst fließend hebräisch und jiddisch oder russisch (letztere Sprachen spielen mindestens dieselbe Rolle wie iwrith), verschreibt er hübsch folgsam die von dem Patienten verlangten „Proschkas" (oder worum es sich gerade handelt), hält er ferner seinem Patienten einen halbstündigen Vortrag über die Einzigartigkeit gerade seines Falles, die Schwierigkeit, aber auch die guten Aussichten gerade seiner Behandlung, so darf er schon eher auf ein wohlwollendes Urteil seiner Klientel rechnen. Ich bitte, diese Sätze nicht für einen Witz zu halten! Jeder Kenner hiesiger Verhältnise wird sie bestätigen! Und Ihr könnt Euch vorstellen, wie schwer diese Zustände dem an ganz andere Verhältnisse gewöhnten deutschen Arzt hier das Leben machen. Um so schwerer als hier in der Überzahl ostjüdische Ärzte leben, welche die oben genannten Forderungen ihrer Klientel in so vorzüglicher Weise erfüllen, daß deutsche Konkurrenz gar nicht in Frage kommen kann. Also: restlose Erlernung der Umgangssprachen hebräisch, russisch, jiddisch und möglichst auch arabisch, Aufgabe jeden spezifisch deutschen Ehrgeizes in bezug auf Pünktlichkeit, Ordnung und Sauberkeit, und engelhafte Geduld. Gesellt sich dazu noch ein freundliches Wesen, irgendein berühmter Verwandter oder eine Frau, deren Reichtum sprichwörtlich ist, und eine gute Suada, so ist das Glück gemacht. Versteht Ihr nun, warum so wenige deutsche

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