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Der jüdische Student · 1925-10-01 · Heft 7 (Oktober 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 7 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Palastina im Rahmen der Orientpolitik_213 tisehem Interesse für die kapitalistisch führenden Staaten geworden. Auch die Möglichkeit einer großen agrikulturellen Entwicklung ist nicht ausgeschlossen, wenn die seit Jahrzehnten vorliegenden Bewässerungspläne ausgeführt werden sollten. Dieses unter englischem Mandat stehende Land hat im Norden den kriegsstolzen, neu geschlossenen türkischen Staat zum Nachbarn; im Westen liegt das französische Mandatgebiet Syrien, und dann in breiter Fläche das von unruhigen, kriegerischen Stämmen bewohnte, schwer zu kontrollierende Zentralarabien. Diese Herde möglicher Unruhen, von denen Mesopotamien eingezwängt wird, erfordern eine Basis für etwa notwendige Gegenwirkungen, die Palästina, zugleich als Rückendeckung, bietet. Vielleicht sind diese militärischen Ueberlegungen für die englische Palästina-Politik nicht von Anfang an von entscheidender Bedeutung gewesen. Daß sie jedenfalls heute eine erhebliche Rolle spielen, wird durch die vor kurzem erfolgte Ernennung eines erfahrenen und hohen Militärs — des Feldmarschalls Lord Plumer — zum Oberkommissar ~von Palästina wahrscheinlich gemacht. Sicher war es erwünscht, daß in einem Augenblick, wo in Aegypten ein Militär durch einen Zivilbeamten als politischem Leiter ersetzt werden sollte, in Palästina ein geeigneter Standort für die mit wichtigen und komplizierten Aufgaben belastete militärische Verwaltung des vorderen Orients zur Verfügung stand. England wird, alter Grundsätze eingedenk, seine vorderorientalischen Interessen nicht nur mit den Waffen des Militärs, sondern auch mit den feineren, vorbeugenden Mitteln der Politik zu sichern suchen. Palästina ist auch hierfür das, was die englische Politik a footing nennt. Dank der Beziehung zu diesem Lande muß England von den im östlichen Mittelmeer interessierten Mächten als gleichberechtigter Konkurrent beachtet werden. In erster Linie ist hier an Frankreich zu denken, das sich durch seine traditionelle Arbeit im vorderen Orient einen überall spürbaren Einfluß (durch verhältnismäßig große Verbreitung der Sprache, eifrige tätige religiöse Anstalten) verschafft und nun auch durch die Zuteilung des Mandats über Syrien eine formelle Anerkennung gefunden hat. Durch Palästina ist im vorderen Orient England, nicht nur räumlich, neben Frankreich gestellt. Es gibt auf diese Weise keine einzelne Vormacht, sondern ein Konzern von Mächten. England hat so auch einen formellen Anspruch, die Politik hier mitzubestimmen. Hierdurch ist nicht nur der unmittelbare Konkurrent Frankreich in seinen Aktionen in gewissem Umfange gebunden. Die anderen Staaten, die im östlichen Mittelmeer interessiert sind, müssen nun ebenfalls mit Englands gutem Willen rechnen. Das gilt etwa von Italien, das in erheblichem Umfange am Schiffsverkehr Palästinas beteiligt ist. Die Gönnerrolle, die England auf diese Weise gegenüber europäischen Staaten spielen kann, ist nicht nur wichtig für die Beziehung zwischen England und den an seinem Wohlwollen interessierten Staaten selbst, sondern auch wieder für die Beziehung zwischen England und Frankreich, dem auf diese Weise die Möglichkeit genommen wird, allein über politische Kompensationen in diesem Gebiet zu verfügen und die so zu gewinnende Unterstützung ganz für die Stärkung seiner Position auszunutzen. Hier also öffnet sich eine Beziehung Palästinas auch zu der europäisch-politischen Konstellation. In den bisher erörterten politischen Beziehungen wird Palästina als Objekt, als Figur im Spiele der Interessen anderer Mächte betr~~h-

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