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Der jüdische Student · 1925-10-01 · Heft 7 (Oktober 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 7 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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214 Palastina im Rahmen der Orientpolitik tet Es besteht die Frage, ob in diesem Körper nicht auch eigene Kräfte wirken, die den von dem hantierenden Spieler gewünschten Gang der Figur ändern und stören könnten. Konkret ausgedrückt bedeutet diese Frage: hat Palästina eine Bedeutung für das arabische Problem, insbesondere für die englisch-arabischen Beziehungen? Hat die englische Politik gegenüber den Arabern durch die Besetzung Palästinas Störungen zu erleiden, ist Englands Kontrolle über dieses Land durch arabische Ambitionen gefährdet? Vielfach ist die Meinung vertreten worden, daß Palästina eine natürliche Tendenz zum Anschluß" an eine zu erwartende Föderation benachbarter arabischer Staaten haben müsse. Auch die englische Politik hat eine Zeitlang mit dieser- Föderation gerechnet, hat sie sogar gefördert, um aus diesem Gebilde, dem leicht eine antienglische Richtung gegeben werden konnte, ein ihm passendes Gerät zu machen. Sie war auch bereit, der Föderation in gewissem Umfange auch Palästina anzugliedern. Aber diese Koni1bination ist gründlich zerstört. In der Gefolgschaft der Husseiniten,- die durch englische Unterstützung über mehrere arabische Staaten gesetzt wurden, hat sich nichts von einer großen nationalen, von der Kraft von Freiheit und Fortschritt erfüllten Bewegung gezeigt. Mittelalterliche dynastische Interessen primitiven Formats, die einzig wirklich vorhandenen Tendenzen, sind in Schwäche und Zerrissenheit gemündet, und der für die Führung der Kombination ausersehene König Hussein von Hedjas ist dem Angriff eines stärkeren Konkurrenten, des Wahabitenfürsten Ibn Saud, ohne weiteres erlegen. Hussein ist entthront und ist eben — sie transit gloria — von seinem früheren Protektor England aufgefordert worden, Akaba, seinen Zufluchtsort im nördlichen Zipfel des roten Meeres, zu verlassen. Seine Söhne Feisal (im Irak) und Abdallah (in Transjordanien) sind Marionetten, durch Verträge und Finanzen von England völlig abhängig, und besonders bei letzterem ist keineswegs sicher, wie lange man ihm seine Pfründe lassen wird. Der politische Schwerpunkt Arabiens ist von der geplanten Husseiniten-Föderation auf Ibn Saud übergegangen. Aber dieses neue Gewicht wirkt aus mancherlei Gründen nicht in gleichem Maßeanziehend auf Palästina: von Ibn Saud selber ist bisher nicht bekannt geworden, daß er irgendwelche Prätentionen bezüglich Palästinas habe. England selbst dürfte zufrieden sein, wenn es mit dem neuen Beherrscher Mekkas in ein erträgliches Verhältnis kommt, durch welches die religiösen Bedürfnisse der Mohammedaner Indiens möglichst ohne Reibungen befriedigt werden können. Dagegen dürfte bei England weder die Neigung noch die Möglichkeit bestehen, die von ihm kontrollierten Gebiete mit arabischer Bevölkerung dem Machtbereich Ibn Sauds irgendwie zu koalieren. Die Führer der sogenannten arabischnationalen Bewegung in Palästina selbst sind zum großen Teil Angehörige der Husseiniten-Familie, die nicht allzuviel Sympathie für den Besieger ihres Familienchefs aufbringen werden. Diese Bewegung tendiert auch stark nach Syrien — ihre Führer betrachten Palästina als einen zu Unrecht abgetrennten Teil Syriens —, der syrische Zweig der arabischen Bewegung steht aber stark unter dem Einfluß von christlichen Arabern (die auch in der palästinensischen Filiale eine erhebliche Rolle spielen). Ob diese Christen zu dem von mohammedanischem Fanatismus getriebenen Ibn Saud eine Brücke finden, muß mehr als zweifelhaft erscheinen. Man darf also wohl sagen, daß die Anziehungskraft einer arabischen Union für Palästina heute sehr herab-

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