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Der jüdische Student · 1925-10-01 · Heft 7 (Oktober 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 7 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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212 Palästina im Rahmen der Orientpolitik hatten — kann kaum mit dieser, einer aktuellen, taktischen Situation entspringenden Absicht erklärt werden. Vielmehr wird man als Grund für die dauernde Okkupation des Landes ein dauernd wirksames Interesse Englands zu suchen haben. Prüfen wir die bei der Besetzung von Kolonialländern regelmäßig anzutreffenden Motive. Palästina ist keineswegs ein besonders reizvolles Kolonialgebiet. Seine Aufnahmefähigkeit läßt sich zwar mit viel Mühe und erheblichem Kapitalaufwand beträchtlich steigern. Palästina hat Ende 1924 810 000 Einwohner (davon 108 000 Juden). Von *iner Gesamtfläche von 27 Millionen Dunam (1 Dunam % Hektar) sind 121/2 Millionen für landwirtschaftliche Kultur geeignet. Davon sind 2*4 Millionen frei, etwa 3 Millionen könnten, da unbenutzt,: frei gemacht werden (0,8 Millionen haben die in den letzten Jahrzehnten eingewanderten Juden in Besitz). Weit größer als die aus diesen Flächenzahlen zu errechnenden sind die Unterkunftsmöglichkeitenr die sich für neue Einwanderer durch Intensivierung der landwirtschaftlichen Methoden, Industrie und Handel bieten. Aber für England, das in seinem Empire noch riesige Kolonisationsflächen zur Verfügung und vor kurzer Zeit erst wieder mit Australien und Kanada Verträge über die Ansiedlung von Hunderttausenden von Familien abgeschlossen hat, ist dieses schwer zu bearbeitende Gebiet kein Objekt für eigene Ansiedlung. Auch das Handelsinteresse ist — heute jedenfalls — keineswegs besonders groß. Die Bevölkerung Palästinas ist schwach und wenig kaufkräftig, für den englischen Markt irgendwie wesentliche Exportprodukte sind nicht vorhanden, einige Spezialartikel — wie etwa Orangen — sind leicht zu entbehren. Der Gesamtexport Palästinas betrug im Jahre 1924 5,6 Millionen PE., hieran war das gesamte British Empire mit 25 Prozent beteiligt (nebenbei Deutschland mit 10 Prozent), der Gesamtimport 2,1 Millionen PE. Ein Vergleich, etwa mit den entsprechenden Zahlen Aegyptens (50,7 bezw. 65,7 PE.) zeigt, daß der Handel mit Palästina als ein besonders gewichtiger Faktor für England heute nicht in Betracht kommt. Was die ökonomischen Eigenschaften Palästinas nicht erklären können, wird eher verständlich durch die geopolitische Situation des Landes. Zunächst ist an geläufiges Schlagwort zu denken, an den Land- und Luftweg nach Indien. Zwar die Luftlinie von Kairo nach Bagdad berührt Palästina nur im äußersten Süden. Aber der Flugplatz, den England in Ramleh — zwischen Jaffa und Jerusalem — eingerichtet hat, erhöht die Sicherheit und Bequemlichkeit dieses Weges erheblich. Es mag in diesem Zusammenhang auch notiert werden, daß vor kurzem zwei Engländer auf einem Wege, der ausschließlich durch englisches Mandatgebiet führte, im Auto in weniger als zwei Tagen von Haifa nach Bagdad gefahren sind. Die Möglichkeit des unmittelbaren Verkehrs zwischen zwei wichtigen Teilen des Empire ist in erster Linie wichtig unter dem Gesichtspunkt der militärischen Sicherung. Von diesem Gesichtspunkt aus ist in der Tat Palästina für England ein recht interessantes Land. Erstens: Palästina bietet eine vorgeschobene Stellung für die Sicherung des Suez-Kanals und Aegypten gegen einen von Osten über Land vordringenden Angriff. Zweitens: im arabischen Gebiet ist heute Mesopotamien die wichtigste Interessensphäre Englands. Das Land zwischen Euphrat und Tigris, das sich an der Flanke Persiens entlang zieht, ist wegen seiner reichen Petroleumvorräte ein Objekt von hochpoli-

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