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Der jüdische Student · 1925-10-01 · Heft 7 (Oktober 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 7 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Palästina im Rahmen der Orientpolitik 211 Palästina im Rahmen der Orientpolitik. Von MoritzBileski. Vorbemerkung der Redaktion: Nachfolgender Artikel ist in Heft 10 des 2. Jahrganges der Zeitschrift „Die Gesellschaft" erschienen. Die Redaktion der „Gesellschaft" hat uns freundlicherweise gestattet, ihn zu veröffentlichen. Wir wollen nicht verfehlen, unsere Bundesbrüder aT.if die-ie Zeitschrift im besonderen hinzuweisen Als in der ersten Hälfte des Krieges die Alliierten in diplomatischen Verhandlungen die Verteilung der Früchte des Sieges vorberei teten, kam ein besonderes Interesse Englands an Palästina nicht zum Vorschein. Noch im Sykes-Picot-Vertrag (1916) war die Internationalisierung Palästinas vorgesehen (lediglich Haifa, eine der beiden palästinensischen Hafenstädte, sollte englisch werden). Dann aber erließ im Jahre 1917 Balfour, 'damals Minister des Aeußeren, die bekannte Deklaration, durch welche die britische Regierung sich für die Errichtung einer jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina aussprach. Auch hiermit war jedoch noch nicht endgültig bestimmt, daß England die Kontrolle über dieses Gebiet erhalten sollte. Das geschah erst in der Konferenz von San Remo, 1920, wo England als (vom Völkerbund zu kontrollierender) Mandatar über Palästina in Aussicht genommen wurde. Die Balfour-Deklaration, der erste offiziell-dokumentarische Ausdruck eines englischen Interesses an Palästina, enthält keine Andeutung, daß dieses Interesse auf ein eigennütziges Motiv zurückgehe. Hier wird eine Beziehung zum jüdischen Problem festgestellt, die englische Regierung spricht ihren Willen aus, an der Liquidierung dieser Frage mitzuwirken. In der Tat wird man, wenn man etwa Balfours Reden zu diesem Gegenstande liest, die Ernsthaftigkeit dieses Motivs keineswegs gering schätzen. Es zeigt sich hier ein überraschendes Verständnis für das Unglück eines anderen Volkes; in mannigfacher Form wird die Erkenntnis ausgesprochen, daß die jahrhundertelange Unfreiheit nicht nur die Kräfte dieses Körpers gefesselt und geschwächt hat, sondern stets auch für eine besonders niedrige Art dumpfer Reaktion Anreiz gewesen ist, ihre menschheitsfeindlichen Kräfte zu beweisen und zu stählen. Führende englische Politiker aus allen drei großen Parteien haben sich zu dieser Auffassung bekannt, und so ist das englische Eintreten für das jüdisch-nationale Heim Ausdruck einer politischen Anschauung von bemerkenswert idealistischer Färbung geworden, die durch die Sympathie gewisser religiöser, der Rückkehr der Juden nach Palästina günstiger Stimmung noch stärker unterstrichen wurde. Das schließt natürlich keineswegs aus, daß nicht materielle Gründe für das englische Interesse an Palästina vorhanden wären. Oft ist, während des Krieges und nachher, erklärt worden, daß durch die Balfour-Deklaration die Sympathie des internationalen Judentums auf die Seite der Alliierten hinübergezogen werden sollte. Dieser Wunsch mag in der Zeit des Krieges selbst eine Rolle gespielt haben, aber seine Bedeutung darf nicht überschätzt werden. Der Entschluß zur dauernden Besetzung Palästinas, über die ja erst nach Abschluß des Krieges eine Vereinbarung getroffen wurde, zu einer Zeit übrigens, wo sich schon gewisse unangenehme Seiten des neuen Besitzes gezeigt

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