Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 6 (August 1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Berichte Bericht der V.J.St »Saroma«, Frankfurt a. M. Im Frühjahr 1924 fanden sich in Frankfurt eine Anzahl älterer Bundesbrüder zusammen, die irgend einmal im K.J.V. wertvolle Semester erlebt hatten und denen die Zugehörigkeit zum aktiven Kartell innere Notwendigkeit war. Diese Bundesbrüder empfanden den Mangel einer Verbindung in dem an jüdischem Leben so reichen Frankfurt sehr stark und versuchten daher aus eigener Kraft, dem K.J.V. die hier verloren gegangene Position wiederzuerobern. Die Aufgabe war um so schwerer, als unsere Bundesbrüder durch ihre vorgerückte Semesterzahl, Examens Vorbereitungen und Berufspflichten stark in Anspruch genommen waren. Wir unternehmen es, in der Hoffnung auf eine Unterstützung durch das Präsidium durch baldige Überweisungen, den taktischen Fehler der Suspension der „Saronia" wieder gut zu machen. Obwohl wir ganz auf uns allein angewiesen waren, da in der Zwischenzeit nur ein Bundesbruder von auswärts zu uns kam, eine Zufuhr frischer Kräfte leider nicht stattgefunden hat, glauben wir, die Wiederaufbauarbeit erfolgreich durchgeführt zu haben. Das Hauptaugenmerk legten wir anfangs darauf, unsere arbeitsbereiten Bundesbrüder in engen menschlichen Konnex miteinander zu bringen, da wir uns dessen bewußt waren, daß nur auf der Basis engsten bundesbrüderlichen Zusammenlebens eine gedeihliche Arbeit möglich sein könne. Im Spätherbst vorigen Jahres war die Konsolidierungsarbeit soweit durchgeführt, daß der Fortbestand unserer Gemeinschaft sichergestellt sein konnte. Die Chargen waren damals mit Leo Strauß X, Heinrich Rosenblum XX besetzt. Nach dem Weggang Leo Strauß' (Januar 1925) übernahmen Heinrich Rosenblum X, Ernst Herzog XX und vorübergehend noch Albert Nußbaum XX die Leitung der Verbindung. Auch in der Arbeitsperiode des letzten G.C. wurde der größte Wert auf die menschliche Fühlungnahme der Bundesbrüder gelegt. Die innere Verbundenheit zum Kartell erfuhr jedoch eine ganz bedeutende Stärkung durch das Erlebnis des Dresdener Kartelltags, an dem sechs Bundesbrüder teilnahmen. Die aus Dresden mitgebrachten neuen Hoffnungen, das Gefühl, endlich einmal von allen Krisen befreit zu sein, das Zusammensein mit gleichgesinnten Menschen, übertrugen sich auf die ganze Verbindung und ließen einen nie gesehenen Schaffensgeist in unserem Kreise erblühen. Mit dem Kartelltag war, wie unsere Werbeerfolge deutlich beweisen, unsere Konsolidierungsarbeit beendigt. Denn ein Kreis durch irgend ein Programm geeinigter Menschen kann nur dann eine Wirkung nach außen haben, wenn er selbst eine gewisse innere Festigkeit birgt. Die Entwicklung der „Saronia" ging der des ganzen Kartells parallel. Wie es nach der mißglückten Fusion mit dem Blauweiß für das Kartell unmöglich war, neue Kräfte in größerem Stil anzuwerben, so konnte auch unsere Verbindung nicht nach außen auftreten. Die Parole der Konsolidierungspolitik war deshalb kein leeres