Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 6 (August 1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Protokoll der Prasidiumsshymg vom 19- ]uli 1925 185 Bbr. Nachmannsohn hat im Expose von der Erwähnung der Geschichtskurse abgesehen. Die alte Form der Geschichtskurse sei überlebt und wenn diese Kurse mehr sein sollen als eine Vermittlung von Tatsachen, so fehlten im allgemeinen für eine solche Behandlung die geeigneten Kursleiter. Über die Tatsachen kann man sich sehr gut aus Büchern orientieren. Wichtig sei dagegen das tiefere Eindringen in die jüdische Entwicklung. Hier will Bbr. Nachmannsohn an Bundesbrüder herantreten, die sich mit bestimmten Gebieten besonders befaßt haben, um sie zu Kursen und zu Aufsätzen im J.St. (Jüdischen Willen) zu veranlassen. Bbr. H o 1 d h e im wendet sich gegen die Forderungen, die Bbr. Nachmannsohn in seinem Expose für das Burschenexamen aufgestellt hat. Man kann nicht Dinge verlangen, die selbst bestinformierte Zionisten heute kaum noch beherrschen. Unser Ziel ist der Zionist, der ein Amt übernehmen und den Zionismus nach außen vertreten kann. Ferner hält Bbr. H o 1 d h e i m Neuhebräisch für wichtiger als Althebräisch. Er wendet sich dagegen, daß die Bundesbrüder Geschichte allein lernen sollen. Es gibt noch nicht das jüdische Geschichtsbuch. Außerdem glaubt er nicht, daß sich ein junger Bundesbruder allein mit jüdischer Geschichte beschäftigen wird. Zu den Palästinakursen ist Bbr. H o 1 d h e i m der Ansicht, daß man mit den jungen Bundesbrüdern nicht alles besprechen könne. Hier müßte die Kommission das wichtigste Material zusammenstellen. Bbr. F o e r d e r ist zwar auch der Ansicht, daß der Stoff sehr umfangreich ist, es ist aber doch notwendig, daß unsere Bundesbrüder sich mit historischen Entwicklungen beschäftigen. Allerdings muß das Schwergewicht der Ausbildung auf die Burschenzeit verlegt werden. Sehr wichtig sind dafür Palästinakurse und besondere politische Kurse, die immer notwendiger werden. — Es bestehen große Bedenken gegen das Prüfungssystem. Trotzdem muß man es mangels einer besseren Kontrolle möglichst beibehalten. — Jeder Zionist hat heute die Gefahr der Oberflächlichkeit, da das Gebiet immer größer wird. Er fordert also als drittes für die Burschenausbildung ein Seminar, in dem man systematisch Fragen bearbeitet. Von da aus könnte man vielleicht die Burschen veranlassen, während ihrer Aktivität einen Teil ihrer Zeit einer ganz bestimmten Arbeit zu widmen. — Bis jetzt führten unsere ideologischen Auseinandersetzungen immer zur Begründung des Zionismus, wir müssen aber jetzt einen Schritt weiter gehen, indem wir politische Fragen erzieherisch vermitteln. Leo Strauß: Die wichtigste Frage ist heute die Auseinandersetzung mit der Orthodoxie, nicht mehr wie früher mit dem Liberalismus. Bbr. Löwenstein schlägt vor, daß der Bildungsstoff bis zum Burschenexamen vorgeschrieben sein solle, danach sollen die Gebiete Einzelnen überlassen bleiben. — Für das A.H.-Examen fordert er, daß jeder Alte Herr von jüdischer Geschichte mindestens so viel wissen müsse wie ein Volksschüler von deutscher. Paul Hirsch schlägt vor, daß die Fuxenzeit, für die man übrigens einen anderen Namen finden müßte, mindestens vier Semester dauern soll, da sonst das Pensum nicht geschafft werden kann. Bbr. Foerder zieht die Ergebnisse der Debatte zusammen: Die Vorschläge Bbr. Nachmannsohns in bezug auf Hebräisch werden ange-