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Der jüdische Student · 1925-08-01 · Heft 6 (August 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 6 (August 1925)
Date
1925-08-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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170 Aus der Korrespondenz des Präsidiums Menschen abgestellt werden. Es ist nicht nur bei uns so, sondern es ließen sich unzählige Parallelen aus dem politischen Leben überhaupt, insbesondere aus dem uns vertrauten deutschen Parteileben zeigen, aus denen mit klarer Evidenz hervorgeht, daß immer für bestimmte Entwicklungen ganz bestimmte mit ihnen verknüpfte Persönlichkeiten entscheidend sind. Auf der anderen Seite ist gerade das als Positives des deutschen Kongreßprogramms anzusehen, daß es nicht nur eine zustimmende, sondern auch eine sozusagen fordernde Seite hat. Von allen aktiven Zionisten ist mit großer Besorgnis festgestellt worden, daß im Laufe der letzten Jahre die Bewegung immer mehr auseinanderfiel, eine Tatsache, an der das Nichtvorhandensein einer arbeitsfähigen Exekutive erheblich mitgewirkt hat. Die Organisationsreform, die von der gesamten deutschen Landsmannschaft gefordert wird, ist nicht als eine formale organisatorische Sache gedacht, sondern nur aus dem eben angedeuteten Zusammenhang zu verstehen. Man glaubt, und zwar mit Recht, hier eine der Voraussetzungen für eine Neubelebung der Organisation schaffen zu können. Nun ist eine Schwierigkeit für die parlamentarische Situation des Kongresses darin zu erblicken, daß nicht alle Gruppen, die mit dem Programm der Z.V.f.D. über die Bündnispolitik sich identisch erklären, auch bereit sind, an dem notwendigen Korrelat mitzuarbeiten, der Ausgestaltung der zionistischen Organisation. Insbesondere ist die Mehrheit der polnischen Delegation, die von Gottlieb und Levite geführt wird, nicht gewillt, sich diese Forderungen zu eigen zu machen. Das Kongreß - Programm der Z.V.f.D. hat mit klarer Deutlichkeit sich gegen diese Gruppe noch in einem weiteren überaus wichtigen Punkte abgegrenzt. Eins der Themen, mit denen sich unsere Bundesbrüder jetzt eingehend beschäftigen müssen, und über das sie hinreichendes Material auch in den letzten Nummern der Rundschau rinden, ist die Frage der vierten Alijah. Es braucht hier nur angedeutet, nicht ausgeführt zu werden, daß die Einwanderer der vierten Alijah sich von den früheren erheblich unterscheiden. Es überwiegt nicht mehr der landwirtschaftlich vorgebildete Chaluz, der aus idealistischen Motiven in das Land kommt, sondern der Hauptvertreter ist der aus wirtschaftlichen Gründen insbesondere aus Polen ausgewanderte Jude. Durch diese ganz neuartige Schichtung des Menschenmaterials ist man in Palästina vor eine Reihe sehr komplizierter Fragen gestellt. Wie für jedes Parlament so wird auch für den Kongreß die Festsetzung des Budgets eine besonders wichtige Aufgabe sein, um so bedeutsamer, als sich im Zusammenhang mit dem soeben angeführten besonderen Charakter der vierten Alijah auch hier erhebliche Differenzpunkte ergeben werden. Es wird im wesentlichen auf diesem Kongreß entschieden werden müssen, ob festgehalten werden soll an der Prävalenz des landwirtschaftlichen Charakters unseres Aufbauwerks, oder ob man, was von der Gottlieb-Levite-Gruppe gefordert wird, die öffentlichen Mittel in weitem Maße auch für Zwecke der kleinbürgerlichen Einwanderung zur Verfügung stellen soll. Wir hatten in der Palästinadebatte auf dem Kartelltag bereits Gelegenheit, uns mit diesen Fragen zu befassen. Man wird ohne jeden Doktrinarismus, der gerade in wirtschaftlichen Dingen besonders schädlich ist, zu der Erkenntnis kommen müssen, daß das Aufbauwerk nur dann gelingen kann, wenn wir nicht nur, wie dies bisher der Fall war, unsere landwirtschaftlichen Positionen halten und auch befestigen, sondern wenn darüber hinaus durch den Kongreß Mittel zu einer Erweiterung.

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