Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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An den Kartelltag die wußten, daß noch vieles fehlt und daß vieles noch zu schaffen ist, daß aber die Kräfte bereit, die Wege gebahnt und die Ziele gesteckt sind, rüsten wir uns zur gemeinsamen Arbeit des Kartelltages. Berlin W. 35, den 27. Mai 1925. An den Kartelltag. Liebe Bundesbrüder! Vor mehr als zwei Jahren ist das jetzige Präsidium von Euch gewählt worden, und die eigenartigen Verhältnisse, unter denen es gewählt worden ist, sowie die eigenartigen Zeitverhältnisse haben sich auch im Bestände und in der Arbeit des Präsidiums ausgewirkt. Nicht nur, daß wider alle Gewohnheit dieses Präsidium über zwei Jahre im Amt geblieben ist, hat auch der Per sonalbestand des Präsidiums erheblich gewechselt. Ich selbst bin seit über einem Jahre der Möglichkeit beraubt, die mir anvertraute Arbeit zu leisten. So ungewöhnlich dies für unsere Kartell- Verhältnisse ist, so haben wir doch als obersten Grundsatz unseres K.J.V.-Lebens, dem gegenüber andere Bedenken zurückzutreten hatten, erkannt, daß es -bei uns keine „Ehren"ämter geben kann, sondern nur Kampfpositionen, die man in schwerer Arbeit ersteigt, und sich in schwerer Arbeit täglich neu erhalten muß, d. h. daß, wer, auch unverschuldet, sein Amt nicht ausfüllt, dieses Amt nicht nominell behalten darf. — Wenn ich heute in Fortwirkung der oben erwähnten Verhältnisse seit vielen Jahren zum ersten Male verhindert bin, den Kartelltag zu besuchen, so möchte ich doch die bis zum vorigen Jahre von mir im J.St. veröffentlichten und die dem Kartelltag vorgelegten Berichte des Präsidiums durch einige persönliche Bemerkungen ergänzen. Das Präsidium trat sein Amt in einer Zeit furchtbarster Erschütterung an. Die Organisation war zum erheblichen Teil demoliert, der Geist nach einem ungewöhnlichen inneren Kampf erschlafft, erhebliche Teile der Altherrenschaft von dem jungen Kartell hinweggerissen und auch das junge Kartell selbst in ungleiche Teile gespalten. Es ist gelungen, die Organisation zu beruhigen und wieder in Gang zu setzen, die Differenzen zwischen Alten und Jungen aus dem Stadium persönlicher Gespanntheit in das Gebiet sachlicher Arbeit zu tragen und im jungen Kartell einen Kreis und eine Stimmung zu schaffen, welche aus der jahrelangen Diskussion über die todbringende Frage, ob das Kartell überhaupt existenzberechtigt sei, herausgeführt und dem jungen Karteil den Mut gegeben haben, das Kartell mit Selbstverständlichkeit zu bejahen und seine Führung zu übernehmen. Es ist, wenn die Namen Einzelner genannt werden sollen, das wesentliche Ver-