Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über die A. YL Zusammenkunft in Dresden 145 geschlagenen Versuche zu sehr auf uns allen, als daß wir heute schon im größeren Kreise nutzbringend und fruchtbar den komplizierten Komplex der Altherrenfrage hätten besprechen können. Dagegen war die — Gegenstand unseres Berichts bildende — zwanglose und unverbindliche Zusammenkunft ein durchaus gelungener und ermutigender Auftakt zu den Verhandlungen des Kartelltages. Zeigten sich doch schon auf ihr die beiden Kräftegruppen, die — allen Skeptikern zum Trotz — einem kleinen Kreis von verantwortungsbewußten und zukunftsfreudigen Bun desbrüdern den Mut gaben, an die Arbeit zu gehen, die dem Kartell wieder einen Sinn geben, den Einzelnen von dem bedrückenden Gefühl seiner menschlichen und zionistischen Unzulänglichkeit befreien und dem Zionismus die Kräfte wieder zuführen soll, die allzu lange, unerträglich lange, brach gelegen haben, und die er heute nötiger braucht als je. Die eine Kräftegruppe liegt in der Alt-Herrenschaft selbst, die — negativ gesprochen — das Unhaltbare in der heutigen Situation in der Altherrenschaft empfindet und, ins positive gewendet» die Verpflichtung fühlt, von neuem den Versuch zu machen, die überwiegende Mehrzahl der älteren Bundesbrüder aus ihrer Le thargie zu erwecken, die vorhandenen, aber schlummernden Energien zu mobilisieren und zusammenzufassen. Der entscheidende Grund dafür, daß nach so viel Fehlschlägen, nach so viel völlig wirkungslos verpufften Ansätzen heute wieder eine Anzahl von Bundesbrüdern mit unerschütterlichem Optimismus, froher Arbeitslust und zuversichtlichem Glauben an den Erfolg die Verantwortung auf sich nimmt, ist darin gegeben, daß wir heute wieder ein in sich gefestigtes aktives— ich lehne den Terminus „junges Kartell" ab — Kartell haben, das unter sicherer, entschlossener Führung seinen Weg geht, und — unter mutiger Ablehnung aller wirklichkeitsfremden Parolen — seinem hochgesteckten Ziel zustrebt, den zionistischen Mann zu erziehen, der — gleichviel auf welchem Wege — mithilft, seinem Volke eine freiere und glücklichere Zukunft zu erbauen. Dieses aktive Kartell weiß, daß es nie sein Ziel erreichen wird, wenn die Menschen, die die lebendige und wirkende Verkörperung der Resultate einer wirklichen K.J.V.-Erziehung sein sollten, weiterhin so versagen, wie bisher. Zionismus ist das einigende Band, das diese beiden Kraftquellen zu gemeinsamem Werke verbindet, und die Idee des Bundes ist die beglückende Macht, die Erzieher und Erzogene in ständigem Wechselwirken, nicht in unfruchtbarer Isolierung zu froher Gemeinsamkeit eint. Dies alles kam in Rede und Gegenrede auf der Zusammenkunft der Alten Herfen vor dem Kartelltag zur Sprache, und in froher Erwartung wir Älteren, bereit, uns all das bestätigen zu lassen, was wir erhofften, und in ruhiger Zuversicht die Jungen,