Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über die Werbesifrung 143 die innere Notwendigkeit der Gewinnung neuer Menschen für das Kartell nicht minder, als für die ganze zionistische Bewegung. Die Schwierigkeit, Menschen für den Zionismus zu werben, besteht heute in seiner unzulänglichen Abgrenzung gegenüber einer allgemeinen Pro - Palästinaeinstellung. Diese objektive Schwierigkeit sei anzuerkennen, doch gelte es, sie durch immer erneute geistige Abgrenzung zu überwinden. Dagegen dürfe man nicht, wie das vielfach geschehe, sich der Unzulänglichkeit des eigenen Verbindungsbetriebes so schämen, daß man auf Werbearbeit verzichte. Neue Energie könne eine schlechte Verbindung nur im Kampfe, in geistiger Auseinandersetzung mit fremden, den Zionismus ablehnenden Menschen finden. Auch die menschliche und zionistische Unklarheit mancher Bundesbrüder sei kein zulänglicher Grund, die Werbearbeit zu unterlassen. Diese Unklarheit sei etwas, was bei Aufwendung der nötigen geistigen Energie beseitigt werden könne. Die deutsche, auch die deutsch-jüdische Jugend stehe heute, nachdem die großen idealistischen Träume der Nachkriegszeit vielfach in dem absolut materialistischen Alltag der Gegenwart zerronnen seien, idealistischen Zielen und Forderungen mit Skepsis gegenüber. Ein schwungloser Realismus und weitgehende Indifferenz gegenüber idealistischen Aufgaben seien vorherrschend. Man bemühe sich in vielen Kreisen gar nicht mehr um Auseinandersetzung, gebe alles, sogar die jüdisch-zionistische Einstellung und Leistung zu: nur lehne man es ab, Konsequenzen daraus zu ziehen. Hierin liege die entscheidende Schwierigkeit der Werbearbeit. Und aus dieser Zusammensetzung des Keilmaterials erkläre es sich, daß so viele ungeeignete Elemente aufgenommen würden. Gute Leute zu keilen seien aber viele Bundesbrüder infolge ihrer eigenen Unsicherheit außerstande. Steigerung des eigenen Bildungsniveaus sei die dringende Forderung, die man an die - Bundesbrüder stellen müsse. Die zionistische Werbung habe in erster Linie geistige Auseinandersetzung mit dem Gegner zu sein, gleichviel aus welchem Lager er komme. Die Tatsachenpropaganda, der Hinweis auf Palästina, habe nur Wert als stützendes, die geistige Argumentation erläuterndes Moment. Unmöglich sei es unter diesen Umständen natürlich, wenn Bundesbrüder dadurch zu keilen versuchten, daß sie den zu Werbenden irgend welche Tendenzliteratur wahllos in die Hand drückten und sie alsdann ihrem Schicksal überließen. Ein derartiges Verhalten, das leider durchaus nicht so selten sei, wie man wohl annehmen möchte, wirke lächerlich und sei zur Erfolglosigkeit verurteilt. Wer nicht Format genug habe, sich kraft seiner geistigen Persönlichkeit durchzusetzen, sei zum Werben unfähig. Deshalb müsse gefordert werden, daß gerade die besten repräsentativen Bundesbrüder, die sich heute oft von der Werbearbeit