Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537625-3537628--6334-3544410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bericht Qber den 6. Kartelltag Ul der Araberfrage, um dann zu einer klaren Beleuchtung unserer Situation im Lande überzugehen. Er sprach von der 4. Alijah, ihren günstigen und ungünstigen Wirkungen und den sich daraus ergebenden Perspektiven, insbesondere für die Aufgaben des K.J.V. Eigene Unternehmungen des K.J.V. in Palästina hält er für unmöglich. Es gibt auch keine spezifischen K.J.V.er-Berufe. Das K.J.V. müsse Menschen stellen, die eine judenstaatliche Einstellung haben. Heute herrscht in Palästina geistige Anarchie. Nur die Arbeiterschaft und wenige Intellektuelle stellen heute eine öffentliche Meinung dar. Damit hängt auch zusammen, daß der stärkste Vertreter des Hebraismus die Arbeiterschaft ist. Die Aufgabe des Akademikers und damit des K.J.V. wäre, die öffentlichen geistigen Zusammenhänge zwischen allen Teilen herzustellen, im Lande eine palästinensische Politik zu machen, die es heute noch nicht gibt. Darüber hinaus müsse das K.J.V. den Versuch machen, der Jugendbewegung näher zu kommen. In der nun folgenden Debatte sprach als erster Lelewer. Man hätte schon früher über die Stellung des K.J.V. zu den Kongreß-Resolutionen sprechen müssen. — Landauers Haltung zur 4. Alijah ist abhängig von seiner persönlichen Einstellung zu diesen Menschen. Die wirtschaftliche Frage kann nicht mit der Frage des nationalen Verantwortlichkeitsgefühls verquickt werden. Man muß wissen, daß in diesem Bürgertum der neuen Einwanderung durchaus Träger des nationalen Aufbaus sein können. Hätten wir geeignete Führer für diese Schicht, Führer, die erst dort erstehen werden, so wäre man imstande, diese Menschen als Angestellte und mit ihrem für einen Eigenbetrieb nicht ausreichenden Kapital in einem größeren Wirtschaftsprogramm zu verwerten. — Es wäre eine Aufgabe für K.J.V., geeignete Maßnahmen gegen den Bodenwucher vorzuschlagen. Die Altherrenschaft kann hier zu wirklich konkreten Aufgaben kommen. Lelewer glaubt, daß heute die Menschen dafür da sind. Er ist gegen Parolen; es kommt nicht darauf an, was man tut, sondern wie man es tut. Wir müssen öffentliche jüdische Menschen erziehen. Nachdem Joseph sich über die unbedingte Zusammengehörigkeit der nationalen und wirtschaftlichen Fragen äußerte, erhielt Blumenfeid das Schlußwort. Gerade Lelewer sei auf Grund seiner Einstellung und nicht auf Grund seiner Erfahrungen zu einer Bejahung der 4. Alijah gekommen. Aber schon seine früheren Freunde haben zugegeben, daß Zionismus nicht eine wirtschaftliche, sondern eine ideale Sache sei. Wirtschaftliche Entwicklung ohne nationale Kolonisation sei nicht denkbar. Ohne den Keren- Hajessod sei nichts zu machen. Wirtschaftliche Entwicklung gehört zu unserem Leben, ist aber nicht Voraussetzung. — Den Wert einer Palästinareise hält Blumenfeld für problematisch. Sie hat erst dann Sinn, wenn man die richtige geistige Vorbildung hat und im Lande nur den Anschauungsunterricht genießt. — Zur Vermeidung des Bodenwuchers gibt es nur ein Mittel: Keren-