Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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HO Bericht Ober den 6, Kartelltag glauben, den Zionismus als menschliche Erneuerung nicht mehr nötig zu haben. Früher stand Idee gegen Idee, heute sind wir eine meßbare reale Angelegenheit geworden. Wir stehen in einem Kampf, den man mit dem Begriff „Symbol und Wirklichkeit'4 bezeichnen kann. Wir müssen wieder zu Entlarvern der jüdischen Welt werden. Auf diesem Wege werden wir die Menschen finden, die Zionisten sein können und dürfen. — Wir müssen uns mit Deutschtum und Judentum auseinandersetzen. — Blumenfeld spricht dann ausführlich über die soziologische Schichtung der deutschen Juden, die wir begreifen müssen, um auf sie einzuwirken. In Palästina suchen wir ebenso menschliche Ziele wie hier, deshalb brauchen wir, insbesondere für den Kampf mit den Problemen in Palästina, die ganze Beherrschung der Bildungswelt. — In innerzionistischer Beziehung müsse sich das K.J.V. am Kongreß-Programm der Z.V.f.D. orientieren. — Fuxenunterricht ist notwendig. Die menschliche Erziehung, die zu einer bestimmten geistigen Orientierung führt, könne man nicht jedem geben. Es genügt, wenn aus dem K.J.V. einige hervorgehen, die diesen Anforderungen entsprechen, so wie wir heute u schon Menschen haben, die wir als Repräsentanten des K.J.V. empfinden und die es charakterisieren. In der Diskussion sprach als erster Leo Strauß, der auch innerhalb der Jugend objektive Grenzen unserer Werbearbeit zu erkennen glaubt. Er bestreitet nicht die Behauptung der Kameraden, wesentlich in der deutschen Kultur zu stehen. Die nationalen Bindungen seien nicht die letzten. Man könne anständiger Jude sein, ohne Zionist zu sein. (Siehe Agency.) Man müsse dies auch der Jugend zugestehen. Strauß beschäftigt sich dann noch mit dem bereits in der Generaldebatte von ihm geäußerten Gedanken der Säkularisierung der Tradition, d. h. Nutzbarmachung der traditionellen Werte für uns. Blumenfeld antwortete ihm sofort: Es gibt Menschen, für die die nationale Entscheidung die letzte sei. Der religiöse Dilettantismus der Orthodoxie will ein Galuth in Palästina. Die besondere Haltung der Frankfurter Kameraden kommt nur daher, daß es in Frankfurt keine genügend starke zionistische Atmosphäre gibt. — Um 8 l hr wurde die Sitzung geschlossen. Abends fand in Blasewitz ein gemütlicher Bowlenabend statt, dessen glänzendes Gelingen dem köstlich quellenden Humor Siegfried Weizmanns zu danken ist. Zur besseren Ausnutzung der nur sehr knappen Zeit wurde beschlossen, die weitere Debatte über das Blumenfeldsche Referat mit der über das nun folgende Palästina-Referat von Landauer zusammenzulegen. — Georg Landauer sprach über die Entwicklung in Palästina und unsere Aufgaben in ihr. Der Hauptteil seines Referates war eine ausführliche Schilderung der palästinensischen Verhältnisse. Er gab zunächst ein allgemeines Bild der politischen Situation im vorderen Orient und eine anschauliche Darstellung