Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über den 6. Kartelltag 139 Angelegenheit: Wir können ehemalige Bundesbrüder nur unter der Bedingung wieder aufnehmen, daß sie unser Programm anerkennen. Ferner müsse die Altherrenfrage und damit im Zusammenhang die Maaßerfrage entschieden werden. In der Ostjudenfrage hätten wir uns schon immer positiv entschieden. Auf die Bemängelung, daß nur ältere Bundesbrüder die großen Referate auf dem Kartelltag hielten, bemerkt er, daß wir lernen wollen, und nur die Älteren kennen die politischen Zusammenhänge. Nach einer kurzen Erwiderung auf die Ausführungen von Strauß, in der Foerder verlangte, daß wir dazu kämen, unsere Fragen nicht mehr so andeutend, sondern konkreter zu behandeln — Strauß hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, unsere geistige Position als Vertreter einer nationalen Bewegung abzugrenzen gegen die verschiedenen Einwände, die man heute gegen uns erhebt — kam Foerder nochmals zu sprechen auf die Fragen der Jugendpolitik. Er verlangte eine Zusammenfassung der Kräfte, die er für die erfolgreiche Durchführung der Jugendarbeit in Deutschland als unumgängliche Notwendigkeit bezeichnete. Die einzelnen Gruppen sollten ihr Eigenleben haben, aber darüber hinaus bestände die Möglichkeit eines stärkeren Konnexes zwischen den Exponenten und Führern der einzelnen Bünde. Dies wäre das erste Entwicklungsstadium, das wir unbedingt erstreben müssen. Ausführlicher setzte Foerder sich dann noch auseinander mit den Ausführungen von Löwenstein. Das K.J.V. müsse heute eine Generation erziehen, die sich für Palästina verantwortlich fühle, und in ihr Land strebe. Die Stellung landwirtschaftlicher Chaluzim sei überaus wichtig, aber nicht die einzige Möglichkeit und Aufgabe, Menschen von uns ins Land zu bringen. Wenn Löwenstein meinte, daß es Menschen in unseren Berufen kaum gelänge, sich mit dem Land zu verbinden, und das zionistische Ziel, das ihnen vorgeschwebt habe, wirklich zu erreichen, so sei die Tatsache der besonderen seelischen Schwierigkeiten gerade unserer Menschen richtig; sie beruhe aber nicht auf der ungünstigen beruflichen Struktur der überwiegenden Anzahl der K.J.V.er heute im Lande, zumindest sei diese nur eine Teilerscheinung eines umfangreicheren, komplizierten seelischen Prozesses. Damit war die Generaldebatte geschlossen. Es folgte dann das Referat Blumenfelds über „Geistige Schulung und Orientierung im K.J.V.". Es ist schwer, die Fülle der von Blumenfeld in diesem Referat gebrachten Gedanken wiederzugeben. Nur das Wesentlichste soll hier angedeutet werden. Ausgehend von der Konstatierung einer inneren Unsicherheit unserer Bundesbrüder, die man auch in der zionistischen Gesamtbewegung feststellen könne, und die sich gründet auf den Dualismus: Zionismus, Eroberung Palästinas und Galuth-Bewegung, zeigte Blumenfeld die Schwierigkeiten und Konsequenzen dieser Situation. Palästina ist heute schon eine nützliche Sache. Viele