Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach dem Kartelltag 133 bestehen, einzelne Alte Herren wieder zu interessieren und wieder zur zionistischen Arbeit zurückzugewinnen. K.J.V.-Arbeit im engeren Sinne hat die Altherrenschaft nicht zu leisten, und die Stärkung der Beziehungen zum jungen Kartell mag gefühlsmäßigen Wert haben, keinen praktischen. Die Wiederaufnahme der ausgetretenen und im B.Z.K, vereinigten Bundesbrüder ist unter demselben Gesichtspunkt zu betrachten: in Oberschlesien, wo diese früheren Bundesbrüder vielfach zionistisch tätig sind, ist ihr Wiedereintritt zu begrüßen; in Berlin ist dieser Kreis völlig untätig und es erscheint mir mehr als zweifelhaft, ob hier wertvolle Kräfte reaktiviert werden können. Die „Anerkennung der Prinzipien des K.J.V.", die die Bedingung der Wiederaufnahme nach den Kartelltagsbeschlüssen sein soll, muß meines Erachtens vom Präsidium dahin interpretiert werden, daß Alte Herren zur aktiven Teilnahme am zionistischen Leben verpflichtet sind. Die in einzelnen Reden zutage getretene stärkere Betonung des Akademischen scheint mir ein Irrweg zu sein. Ich befürchte nicht, daß man die Formen der deutschen Studentenschaft wieder übernehmen will, aber in dem Augenblick, wo Berufsumschichtung wieder in ernsthafter Weise als eine Aufgabe des Kartells empfunden wird, ist die Betonung des akademischen Charakters ein Anachronismus. Mit besonderer Freude habe ich die Erklärung des Präsidiums begrüßt, daß politische Bildung in Zukunft in einem weniger farblosen und neutralen Sinne verstanden werden soll als bisher. Wir brauchen Menschen, die charaktermäßig und nach ihren Kenntnissen imstande sind, Stellung zu nehmen. Die Nichteingliederung von vielen unserer Bundesbrüder in das Leben Palästinas hängt aufs engste mit der anerzogenen Neutralität zusammen, die angeblich eine Folge staatsbürgerlicher Gesinnung sein soll. Auch das Kartell in seiner Gesamtheit soll den Mut haben, Partei zu nehmen und wird ja dazu Gelegenheit haben, wenn bei den Wahlen zum 14. Zionistenkongreß das Kongreßprogramm der deutschen Zionisten im Kampf steht gegen die Gruppe angeblich radikaler Zionisten, die in ihrer Mitte so ziemlich alle Richtungen vereinigen, die es heute in der zionistischen Bewegung gibt. Schon die politische Bildung wird hier dem K.J.V.er zeigen, daß er eine Gruppe zu bekämpfen hat, die Jabotinski und Klatzkin nebeneinander, vereinigt. Ich will zum Schluß noch auf einen Punkt aufmerksam machen. Die Frage der Palästina-Wanderfahrten des K.J.V. ist wiederholt besonders von jüngeren Bundesbrüdern behandelt worden. Das Präsidium sollte diese Frage mit allem Ernst behandeln und nach Möglichkeit zur Durchführung zu bringen suchen. Hier ist eine Aufgabe der Altherrenschaft, ihren Zusammenhang mit dem jungen Kartell zu beweisen, indem sie die Mittel bereitstellt, die einer größeren Anzahl von Bundesbrüdern