Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Nach dem Kartelltag den prinzipiellen Entscheidungen auf den Kartelltagen des B.J.C. konnten nicht sofort Wirklichkeit werden. Sie waren notwendige Etappen auf dem Wege, sie waren der Rahmen, der ausgefüllt werden mußte. Die Ausfüllung dieses Rahmens aber kann für das junge Kartell nur in einer Berufswahl liegen, die die Möglichkeit gibt, wirklich nach Palästina zu kommen. Als 1911 in Posen die bekannte Resolution angenommen wurde, bedeutete sie eine Revolutionierung des zionistischen Denkens. Heute ist die Entwicklung darüber hinweggegangen; heute müssen wir dem jungen Bundesbruder nicht nur klar machen, daß er nach Palästina gehen soll, sondern wie er das zu machen hat. Ich habe mich dagegen verwahrt, daß die unerbittliche Wiederholung der Forderung zu landwirtschaftlicher Chaluziuth im K.J.V. Bundesbrüder unglücklich mache und entmutige. Ich betonte, daß in einer Zeit, in der außerhalb Deutschlands und in Deutschland selbst zionistische Jugend, radikale zionistische Jugend, überhaupt zur Chaluziuth tendiert, und daß die reine Konstatierung dieser Tatsache, die jedem gebildeten Zionisten ohnedies bekannt ist, im K.J.V. jenes Gefühl der Unzulänglichkeit erzeugen muß, das nicht eher weichen wird, als bis das junge Kartell dieser von ihm selbst als richtig erkannten Forderung gerecht werden wird. Was ich dabei von den bereits nach Palästina gegangenen Bundesbrüdern sagte, war nicht, daß sie drüben unglücklich würden — diese Behauptung liegt mir völlig fern —, sondern daß sie mit ihren Berufen es überaus schwer hätten, im Lande festen Fuß zu fassen, und daß viele von uns bedauern, vor 15 Jahren nicht bereits auf den Weg hingewiesen worden zu sein, der uns die Möglichkeit gegeben hätte, an entscheidender Stelle des Aufbaus mitzuarbeiten, nämlich in der Landwirtschaft. Das hat mit ,,Eudämonismus" nicht das mindeste zu schaffen. Ich befand mich mit meiner Forderung nicht in einer Minorität und nicht in einer Opposition. Nur graduelle Unterschiede existieren, und die Zusammensetzung des Präsidiums, wie es auf diesem Kartelltage gewählt wurde, beweist mir, daß die führenden Bundesbrüder des jungen Kartells versuchen werden, in der von mir angedeuteten Richtung tätig zu sein. Es ist eine Sache der Erziehung und der langsamen Entwicklung. Aber erst jahrelange propagandistische Vertretung der Idee kann es erreichen, daß die erziehenden Bundesbrüder selbst daran glauben, daß hier eine Aufgabe liegt, und daß sie an ihre Lösung herangehen. Es war mit dem Hebräischen nicht anders. Deshalb sehe ich in Worten wie Proklamation und Agitation keinen Vorwurf, sondern die Anerkennung des richtigen Weges. Ich will nun zu einigen Einzelfragen des Kartelltages kurze Bemerkungen anfügen, deren Begründung im allgemeinen oben bereits gegeben ist. Ich begrüße den Versuch einer Belebung der Altherrenarbeit, aber ich glaube, daß dem Erfolg hier sehr enge Grenzen gesetzt sind. Die A.H.-Arbeit kann ausschließlich darin