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Der jüdische Student · 1925-06-01 · Heft 4-5 (Juni 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 4-5 (Juni 1925)
Date
1925-06-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Nach dem Kartelltag desbrüder, ohne Hebräisch zu können, in die Altherrenschaft entlassen werden. Das bedeutet einen großen Fortschritt, der der intensiven Propaganda für das Hebräische und der steten Erziehungsarbeit in dieser Richtung zu verdanken ist. In diesem Punkte hat das Kartell nicht nur das Niveau von 1914 wieder erreicht, sondern ist erfolgreich an die Lösung einer Aufgabe herangeschritten, die 1914 höchstens in der Theorie aufgestellt wurde. Übrigens zeigt das Erstarken der hebräischen Bewegung im Kar teil, daß trotz aller Erschütterungen eine konstante Linie durch die Kartellentwicklung seit der Revolution führt. In diesem Zu sammenhange gehört, als ein Fortschritt derselben Art, die zunehmende Anzahl von Bundesbrüdern, die in größerem Umfange ehrenamtlich zionistisch tätig ist oder die Dienstpflicht leistet. Auch hier bestehen Aufgaben, die vor dem Kriege nicht bekannt waren, und man ist ihrer Lösung entschieden näher gekommen. Wenn die Frage des Hebräischen vor dem Kriege in Deutschland kaum als aktuell empfunden wurde, so stand es anders mit dem Problem der persönlichen Verknüpfung mit Palästina. Obwohl unter dem türkischen Regime die Möglichkeiten verschwindend gering waren, wurde der Gedanke, daß ganzes jüdisches Menschentum, wenn überhaupt, nur auf dem Boden Palästinas gelebt werden könne, im K.J.V. mit Inbrunst geglaubt. Die Resultate haben sich in den letzten Jahren gezeigt: allen Schwierigkeiten zum Trotz sind etwa 100 Bundesbrüder aus der Vorkriegsgeneration nach Palästina gegangen und versuchen dort, lebendige Glieder des neuen Palästina zu werden. Es läßt sich schwer übersehen, ob auch diejenigen, die heute das junge Kartell bilden, von demselben Palästinawillen besessen sind. Aber ich habe durchaus diesen Eindruck, und wir vernahmen gerade in dieser Beziehung Ton ganz jungen Bundesbrüdern Bekenntnisse und Anschauungen, die uns das zu bestätigen schienen. Und hier setzt die Kritik ein, die ich auf dem Kartelltag zu geben versuchte, und die dann in einem von mir nicht vorausgesehenen Maße die Generaldebatte beherrscht hat. Ich versuchte, den folgenden Gedankengang klarzustellen. In unserer Entwicklung erschien zunächst stets die prinzipielle Forderung, um die gekämpft wurde und die schließlich anerkannt wurde, obwohl niemand hätte angeben können, wie die Verwirklichung gedacht war. So war es mit dem Hebräischen, wo schon seit vielen Jahren niemand mehr die Berechtigung der Forderung zu bestreiten wagte, wo aber erst die letzten Jahre bewiesen haben, daß ein deutscher Jude, der mit 18 Jahren das Alephbeth nicht kann, im Laufe einiger Jahre der Sprache, dem Leben Palästinas und der jüdischen Kultur näher zu kommen vermag. Die Maasserforderung war in Deutschland theoretisch schnell anerkannt, aber erst eine lange Entwicklung vermochte es zu erreichen, daß heute ein paar hundert Menschen Maasser zahlen. Es steht mit Palästina nicht anders. Die Resolution des Posener Delegiertentages und die ihr vorangehen-

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