Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach dem Kartelltag 129 Parole für das K.J.V. geben. Wir können nur sagen, wie wir dort arbeiten wollen, aber nicht was. Der Blauweiß hat sich eine Stätte eigener Palästinaarbeit in seinen Werkstätten geschaffen. Ich bin absolut kein Gegner eines solchen Programms, und ich glaube, daß es auch in Palästina nicht die Opposition vorfände, die es in Deutschland gefunden hat. Selbstverständlich kann ein solches Projekt für das K.J.V. nicht in Frage kommen. Es gibt auch kein wirtschaftliches Gesamtprogramm des K.J.V., aber das K.J.V. wird immer bestimmte Unternehmungen fördern können. Es kann jedoch kein K.J.V.-Unternehmen in Palästina geben, ebensowenig wie es bestimmte K.J.V.er-Berufe in Palästina gibt. Die geistige Erziehung ist richtig. Das K.J.V. in Palästina kann Bedeutung haben als Träger der geistigen Auseinandersetzung. In Palästina herrscht heute eine geistige Anarchie. Es gibt heute keine öffentliche Meinung, außer bei einem Kreis. Der größte Teil der Intellektuellen steht zu ihm: zur Arbeiterschaft. Die öffentliche Meinung wird von unten her aus den Grundlagen der Kolonisation gebildet, aus den Grundlagen des Lebens. Auch die hebräische Sprache lebt heute nur im Leben der Arbeiterschaft. Es gäbe viele spezielle Arbeitsgebiete in der Stadt aufzuzählen, von der Einstellung aus gesehen, nicht vom Beruf. Es gibt heute in Palästina keine Meinung über die palästinensische Politik. Zur Frage Transjordaniens und des High Commissioner hat die Arbeiterschaft Stellung genommen. Sonst aber gibt es keine politische Meinung. Die erscheinenden Zeitungen zeigen es: in Palästina fehlen geistige Menschen, die der Ausdruck der Bedürfnisse des Landes sein können. Es fehlen die Intellektuellen, die Palästina selbst repräsentieren könnten. Ihre Gruppierung ist jedoch nötig um die Träger der Kolonisation und zu ihrer Stützung. Chaluziuth muß immer eine Parole im K.J.V. werden. Das K.J.V. soll sich immer mehr der Jugendbewegung angliedern, es muß immer wieder eine starke Wendung zur Jugendbewegung hin nehmen. Im K.J.V. muß eine so starke Palästina-Gesinnung erzogen werden, daß der K.J.V.er, der einmal drüben ist, sich nicht mehr an das Galuth anlehnen will. Palästina muß im K.J.V. lebendig werden. Dann kann das K.J.V. in Palästina leben. Nach dem Kartelltag. Von Fritz Löwen stein, Jerusalem, zur Zeit Berlin. Dies war die erste zionistische Tagung seit vielen Jahren, auf der die „Krise" nicht im Mittelpunkt der Verhandlungen stand. Es herrschte keineswegs eitel Zufriedenheit, man empfand die Schwierigkeiten der Arbeit mit aller Deutlichkeit, man war sich der Unzulänglichkeiten der bisherigen Leistung klar genug.