Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Die Entwicklung Palästinas und unsere Aufgaben in ihr vor dem Zeitpunkt, wo eine Verzweiflung in der Stadt ausbrechen könnte, weil die Erwerbsmöglichkeiten zu gering werden, und wo die Rückwanderung beginnt. Die Frage ist die: werden wir in der Lage sein, entweder diese Einwanderer durch Kredite kapitalkräftig für eigene Tätigkeit zu machen, oder werden sie sich proletarisieren können und zur produktiven Arbeit übergehen. Die Forderung nach Krediten für städtische Arbeit als Ausweg aus der Misere ist da, aber es ist die Frage, ob das nicht nur eine Verlängerung des jetzigen Zuständes ist. Man muß daher versuchen, die Menschen zur Landarbeit zu bringen. Denn wenn man sagen muß, daß man sie nicht zur Landwirtschaft führen kann, so ist diese ganze Einwanderung bankrott. Allerdings ist die Zusammenfassung dieser Kräfte schwierig. Die Einwanderung der Arbeiter ist eine organisierte, die des Mittelstandes eine anarchische. Alle Versuche, diese Elemente zusammenzufassen, sind gescheitert. Es gibt für sie nur einen Zusammenschluß: zur Anforderung von Krediten. Nun sind 400 bis 1000 Pfund Sterling für die Gründung eines Gewerbes in der Stadt unzureichend, jedoch in der Landwirtschaft sehr viel. Nach unseren Erfahrungen kostet die Kolonisation einer Familie 1500 Pfund Sterling. Die städtische Kolonisation ist absolut nicht billiger. Hoffentlich wird es gelingen, die Überführung der Einwohner in die Landwirtschaft durchzusetzen. Wir brauchen daneben aber erst recht eine starke landwirtschaftliche Alijah, denn eben nur die landwirtschaftliche Kolonisation kann zu industrieller Entwicklung führen. Das ist ein notwendiger wirtschaftlicher Vorgang. Man hat in Palästina verlangt, daß im nächsten Jahre wenigstens 1000 Personen (500 Familien) kolonisiert werden sollen. Das bedeutet ein landwirtschaftliches Budget von wenigstens 700 000 Pfund Sterling. Die Organisation des Hechaluz erklärt, daß sie in der Lage sei, in der ganzen Welt 20 000 Chaluzim zu stellen. Demnach hätte sich die Zahl seit der Danziger Tagung verdoppelt. Es scheint aber, daß in den Hechaluz ein Teil jener Elemente eingedrungen ist, die sonst zur mittelständischen Alijah gehören würden. Im nächsten halben Jahre ist damit zu rechnen, daß wenigstens 8000 neue Zertifikate verteilt werden. Das bedeutet möglicherweise eine Einwanderung von 25 000 bis 30 000 Personen auf Grund von Zertifikaten. Gelingt es uns, durch Einwanderung vorbereiteter Arbeiter einen regulierenden Einfluß auf die Alijah und somit auf die Kolonisation auszuüben, so können wir dem Lande eine günstige Entwicklung sichern. Die Programme zum Kongreß, die eine Unterstützung der mittelständischen Alijah fordern, bedeuten einen Abbau der landwirtschaftlichen Alijah. Die landwirtschaftliche Alijah ist aber durchaus im Interese der bürgerlichen Alijah. Wenn man davon sprechen sollte, so müßte es ein Kongreß- Programm des K.J.V. geben und zwar: Alijah von Landwirten, Vorbereitung von Chaluzim. Es kann aber tatsächlich keine