Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Entwicklung Palastinas und unsere Aufgaben in ihr 127 Diese Alijah hat günstige und ungünstige Wirkungen gehabt. Zunächst ist ein langsames Ansteigen der Lebensmittelpreise zu bemerken. Im letzten halben Jahr z. B. sind einige Preise für Viktualien um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Tel-Awiw benachbarten Kolonien sind nicht in der Lage, die Stadt mit den nötigen Produkten zu versehen. Kaum ein Drittel des Bedarfs wird durch jüdische Produkte gedeckt. Als günstige Wirkung wäre zu verzeichnen, wenn die Siedlungen um Tel-Awiw7 sich durch größeren Absatz entwickeln könnten. Hier liegt eine wichtige kolonisatorische Aufgabe. Die zweite Erscheinung, die mit der vierten Alijah akut geworden ist, ist die Frage der Bodenpreise. Es ist an sich eine ganz natürliche Erscheinung, daß bei stärker werdender Einwanderung die Nachfrage nach Boden stärker wird und die Bodenpreise anziehen. Was zur Kritik herausfordert, ist die Preismachung der Juden. Arabische Zeitungen weisen schon auf die Juden als Preistreiber hin und fordern ihre Leute auf, es genau so zu machen. Im Zusammenhang mit dem Bodenwucher steigen die Mietpreise, und es entsteht das Wohnungsproblem. Kommen die Einwanderer an, so haben sie natürlich keine Unterkunft. Man bringt sie zwar provisorisch unter, aber das erste ist, daß man Wohnung sucht. So ist eine ungesunde Art Miets- und Hotelgewerbe entstanden. Die Mietspreise, die man in Palästina zahlt, sind ungeheuer. Während noch im vorigen Jahre in Tel-Awiw der Typus des Arbeiters und Schülers dominierte, ist heute die Stadt wieder durch den Typus des alten Juden aus der östlichen Kleinstadt bestimmt. Jiddisch wird heute am meisten gesprochen. Es gibt dort schon eine jiddische Schule und die Agudas-Jisroel arbeitet recht eifrig. Man kämpft erbittert um kleinste wirtschaftliche Positionen. Wenn man sich einen Anzug bestellt, so bekommt man am selben Tage wenigstens vier bis fünf Konkurrenzofferten. Unter den eingewanderten Handwerkern sind fast 80 Prozent Schuster, Schneider und Möbeltischler. Auf der anderen Seite wird allerdings der innere Markt verstärkt. Einer der wichtigsten Mängel der palästinensischen Wirtschaft ist ja, daß der innere Markt zu klein ist. Ungemein gekräftigt ist heute das Bauwesen. Der Baumarkt ist heute in Palästina der am meisten beschäftigte und nimmt den breitesten Raum ein. Im Durchschnitt werden in Tel-Awiw in jedem Monat 100 Häuser gebaut, und viele Häuser werden aufgestockt. Dieses Bauen ist kein Bauen auf Kredit. Es wird also viel Geld ausgegeben, und die Banken haben flüssiges Kapital. Der Bau von 100 Häusern monatlich bedeutet zumindest einen Bargeldumsatz von 100 000 Pfund Sterling. Zahlreiche Einwanderer verbauen sofort ihr Geld, und es gibt Leute, die, nachdem sie Häuser haben, Kredite aufnehmen müssen, um sich ein Geschäft für Gegenstände des täglichen Bedarfs eröffnen zu können. So lebt ein Einwanderer von dem folgenden. Man fürchtet sieh