Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Die Entwicklung Palästinas und unsere Aufgaben in ihr haften Zuschuß für seine Schule. Dasselbe gilt für Petach- Tikwah. Es ist aber trotzdem schon gelungen, in größerem Maßstabe im Auslande Kredite zu erhalten. Zusammenfassend muß an dieser Stelle festgestellt werden, daß sich unsere landwirtschaftliche Position verstärkt, aber nicht vergrößert hat. Das ist teilweise auch ein negatives Moment. Wenn ich feststelle, daß unsere landwirtschaftliche Basis sich nicht verbreitert hat, so muß man dies in Beziehung zu unserem Anteil an der gesamten palästinensischen Landwirtschaft sehen. Die Oberfläche Palästinas hat 27 Millionen Dunam. Hiervon ist ein großer Teil überhaupt nicht bebaut, 9 Millionen Dunam gehören den Arabern. Die jüdische Wirtschaft besitzt insgesamt 900 000 Dunam, davon der Nationalfonds 200 000. Die vorliegenden Einwohnerziffern sind keine exakten Zahlen, sogar die Angaben der Regierung sind ungenau. Setzen wir die Gesamteinwohnerzahl des Landes mit 800 000 Einwohnern an, so beträgt die Zahl der Juden 120 000, davon sind 20 000 in der Landwirtschaft, aber nur 5000 selbstarbeitende Landwirte. In diese Ziffer von 5000 sind eingerechnet diejenigen, die als Lohnarbeiter in den Kolonien arbeiten. — Man sieht, daß in der Tat unsere landwirtschaftliche Position außerordentlich schwach ist. Früher war das Verhältnis günstiger. In der dritten Alijah bestand die Einwanderung nach Palästina hauptsächlich aus Ghaluzim, es war die Zeit der Gründungen im Emek usw. Seitdem hat sich das innere Verhältnis wieder verschlechtert. Damit kommen wir zu der neuen großen Einwanderung. Es wandern heute jeden Monat 2000 bis 3000 Menschen nach Palästina ein, vielleicht sogar mehr. Von diesen 2000 bis 3000 sind nicht mehr als 400 bis 500 Ghaluzim. Dabei gleich eine Bemerkung: Bei Chaluzim handelt es sich heute nicht mehr um denselben Begriff wie früher, ich will lieber sagen: 400 bis 500 Certifikat-Empfänger. Davon wandert nur ein kleiner Teil aufs Land ab. Der andere Teil ist der jüdische Mittelstand. Die Frage des Mittelstandes ist nicht identisch mit dem der Industrie in Palästina. Mit Unrecht sind von Agitatoren diese Fragen verbunden worden. Es handelt sich bei dieser Einwanderung um Personen, die weder Geld genug haben, um selbständig etwas zu unternehmen, noch gut ausgebildet sind. Man kann diese Leute etwa auf 400 bis 1000 Pfund Sterling einschätzen. Das Menschenmaterial ist nur selten geeignet, zur produktiven Arbeit überzugehen. Man kann sagen: diese Einwanderer besitzen zu wenig, um Kapitalisten zu sein, zu viel, um Proletarier zu sein. Hauptsächlich konzentriert sich diese Einwanderung in Tel-Awiw; in noch kleinem Umfange in Haifa und Petach-Tikwah. Dabei sind Gewerbe- und Handeltreibende in überwuchernder Zahl. Nach der letzten Zählung in Tel-Awiw kommt auf jede sechste Familie in Tel-Awiw ein Handelsgeschäft, auf jede achte. Familie ein Handwerker. Ein solcher Prozentsatz ist geradezu katastrophal.