Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Die Entwicklung Palästinas und unsere Aufgaben in ihr__ frage hat schon ein anderes Gesicht bekommen. Man kann bei der Ostjordanpolitik Englands u. a. auch den Gesichtspunkt wahrnehmen, daß eine Grenze zwischen Palästina und Ostjordanland als ein Riegel geschaffen wurde. Das Ziehen der Beduinen hat nun fast ganz aufgehört, ihre Zahl im Lande hat sich nicht vermehrt, ihre Seßhaftigkeit aber zugenommen. Im Zusammenhang damit kann man auch die Bestrebungen einiger Beduinenstämme, zum Judentum überzutreten, verstehen. Sie wollten wohl teilhaben an der Landverteilung. Die Beduinen leben noch heute von der Viehzucht und vom Transportgewerbe. Das hängt z. T. mit den Verhältnissen im Lande zusammen. Der Süden ist überhaupt für Kamelkarawanen sehr geeignet. Es ist aber zu einer Konsolidierung gekommen, und wenn wir die Beduinenlager etwa im Bezirk von Zemach sehen, dann beobachten wir, daß die Beduinen schon Ackerbau treiben. So wird nun allmählich eine wesentliche Frage des Sicherheitsproblems gelöst. Die zweite arabische, besser: mohammedanische Schicht in Palästina sind die Fellachen. Diese, ungefähr 500 000 an der Zahl, bewohnen die Dörfer. Ihre Lebensbedingungen sind bekannt: Ihr Los ist jämmerlich. Die Fellachen sind den Effendis seit Generationen verschuldet und angesichts der Unmöglichkeit, sich von den Schulden zu befreien, den Effendis hörig bis zur Herrschaft über den Körper. Die Fellachen machen das Gros der arabischen Bevölkerung in Palästina aus. Und da die Berührung mit den Fellachen die wesentlichste ist, die wir mit den Arabern haben können, müssen wir uns mit diesen auseinandersetzen. Es ist keine politische Übertreibung, wenn wir immer wieder betonen, daß auf dieser Seite der Araber keine Opposition gegen uns besteht. Im Gegenteil, das Fellachentum hat schon heute gesehen, daß es durch die Einwanderung der Juden nur gewinnen kann. Es wäre interessant, einmal die Programme der Fellachen-Organisationen zu betrachten. Diese enthalten einige Punkte, die uns aufs deutlichste zeigen, wohin sie ihre Gedanken führen. Sie wünschen, daß die britische Verwaltung ihre Wirtschaftspolitik durchführt. Sie wünschen solche Verbesserungen in ihrer Lage, wie sie sie bei uns sehen. Sie haben z. B. die Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation für sich verlangt, die auch schon eingerichtet worden ist. Sie lehnen sich immer mehr an unsere Kolonisation an. Ob wir hier aktiv mitarbeiten können, ist eine materielle Frage. Wir hätten dann hier ein Arbeitsgebiet, das ohne jeden Zweifel bedeutend sein kann für die inneren Beziehungen zwischen den Arabern und uns, insbesondere da unsere Arbeit ihnen direkt zugute kommt. Was haben nun tatsächlich die Juden im allgemeinen für die Entwicklung Palästinas geleistet? Hier will ich die Einschränkung, die ich eingangs gemacht habe, noch besonders betonen. Es ist nicht meine Aufgabe, die aktuellen Fragen und die Situation in Palästina vollständig darzustellen. Was heute die Juden