Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Entwicklung Palästinas und unsere Aufgaben in ihr_123 deutet und es noch zu früh ist, um über die neue Konstellation, die durch die Ernennung Lord Plumers entstanden ist, Klares auszusagen. Jedenfalls hat sie die Zusammensetzung des Kreises unserer Freunde oder Gegner nicht beeinflußt. Die Eröffnung der Universität Jerusalem hat erneut die internationale Aufmerksamkeit auf den Zionismus und Palästina gelenkt. Man hat die entschiedene Teilnahme Englands und Amerys Reden kritisiert und daran bemängelt, daß England die kulturelle Seite der Heimstätte zu sehr betone und unsere politische Stellung nicht genügend gestärkt hat. Frankreich sieht England ungern in Palästina und ohne eigentlich zionistenfeindlich zu sein, sieht es im Zionismus den Vorwand Englands, sich als Protektor der Bewegung im Lande festzusetzen. Englands planvolle Araberpolitik hat bisher ernstliche Schwierigkeiten beseitigt. Es hat sich des Emirs Hussein bedient und zur gegebenen Zeit von ihm zurückgezogen, um die Wahabiten anzuerkennen. Die Opposition der palästinensischen Araber gegen die BalfOurdeklaration, der Widerstand gegen die Einwanderung ist das politische Programm des städtischen nationalistischen Arabertums, das aber nur solange sich an der panarabischen Bewegung beteiligt hat, wie die arabische Konföderation den Rahmen für ihre Herrschaft in Palästina abzugeben schien. Schon heute hat sich das geändert. Bei Betrachtung der arabischen Frage muß man unbedingt zwei Angelegenheiten voneinander trennen. Die Frage der Sicherheit des Landes und der nationalen Bewegung. Die arabische Frage ist nicht identisch mit der Sicherheitsfrage. Wenn wir von Unruhen hören, so ist zunächst zu fragen, ob es sich um eine Angelegenheit der öffentlichen Sicherheit handelt, oder ob sie von politischer Bedeutung ist. Die nationale Bewegung wird zwar hierbei stets bei der Anstiftung von Unruhen eine Rolle spielen. Aber es ist längst nicht alles auf diese Rechnung zu setzen. Vielmehr sind die Gegensätze zwischen Juden und Arabern mehr sozialer und wirtschaftlicher Art. — Schon vor der jüdischen Einwanderung gab es eine Sicherheitsfrage in Palästina. Unter der britischen Verwaltung hat die Unsicherheit nachgelassen. Dieses Sicherheitsproblem hängt vielfach zusammen mit der Beduinenfrage. Wir können die mohammedanische Bevölkerung Palästinas in drei Gruppen teilen: Beduinen, Fellachen und städtische Araber. Die städtischen Araber sind Handwerker, Kaufleute und zum Teil auch Intellektuelle, sie sind die Träger der nationalen Bewegung. — Die Beduinenfrage hat der Verwaltung schon immer stark zu schaffen gemacht. Es gibt in Palästina heute noch etwa 50 000 Beduinen, die nicht seßhaft sind. Vor allem sind als das Gebiet der Beduinen anzusehen: Das Südland, das Jordantal und die Küstenebene. Das Ostjordanland war immer ihr Einfälltor, insbesondere südlich und nördlich des Tiberiassees. Heute ist dieser Zugang verstopft, und die Beduinen-