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Der jüdische Student · 1925-06-01 · Heft 4-5 (Juni 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 4-5 (Juni 1925)
Date
1925-06-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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118 Die Aufgaben des KJ.V, deren Vertrauensmann in das Präsidium delegiert. Nach der ordnungsmäßig erfolgten Wahl müssen alle Teile unseres Bundes das Präsidium als legitime Führung anerkennen. Wir wollen ausdrücklich betonen, daß wir alles tun werden, um zu einer harmonischen Zusammenarbeit zu kommen, im Interesse des Kartells nud des deutschen Zionismus. Im Zusammenhang mit der Altherrenfrage ist die Angelegenheit B.Z.K, akut geworden. Das Interesse hieran spiegelt sieh in einer Reihe teils bejahender, teils ablehnender Anträge wider. Ich gehe hier auf die Frage nicht ein, sondern möchte mir erlauben, Bezug zu nehmen auf das ausführliche Expose, das die Meinung des Präsidiums wiedergibt, an der es nach wie vor festhält. Wichtig erscheint dagegen, die Aufmerksamkeit des Kartelliags hinzulenken auf die Frage unserer inneren Organisation. Die Diskussion über die Formen unseres Kartells ist in der letzten Zeit wieder völlig zurückgetreten. Trotzdem wird der kritische Beobachter ihre Reformbedürftigkeit sehr leicht feststellen können. Ueberlegungen, die von verschiedenen Ausgangspunkten ausgehen, führen zu demselben Resultat. Anders wie früher ist heute unser Erziehungsziel, die Einreihung junger Juden in den zionistischen Lebenskreis, die Herstellung einer dauernden Bindung, die auch gegenüber starken anders gerichteten Anforderungen des individuellen Lebens standhält. Nun scheint uns, daß es allzu lange andauert, bis wir Menschen zu dieser Umstellung, zu diesem Gefühl des Ganzsichgebenmüssens erziehen. Wir wissen, daß organisatorische Maßnahmen nur Behelfe sein können, entscheidend sind die geistigen Kräfte, die Leidenschaft eines Bundes, die Menschen formt. Andererseits können derartige organisatorische Umänderungen, die z. B. eine stärkere zentrale Beeinflussung ermöglichen, von größter Wichtigkeit sein. Dazu kommt ein anderer Gedankengang. Das Kartell ist eine Vereinigung gleichgestimmter Menschen zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles durch gegenseitige erzieherische Beeinflussung; auf der anderen Seite ist es seiner Form nach politische Organisation, Betrieb im Sinne moderner Soziologie. Jeder Betrieb kann nur durch Funktionäre, die als solche anerkannt sind und Geltung haben, geleitet werden. Ein Staat, eine Organisation, in der die Beamten nicht legitimerweise als leitende, verwaltende anerkannt sind, ist eine innere Unmöglichkeit. Wir leiden an einer Ausweitung, ^inem Abgegriffensein unserer Forderungen, die, bagatellisiert in ihrer für unseren Bund notwendigen Funktion, vielfach nicht mehr anerkannt werden. Es kann nur durch Vornahme gewisser Umänderungen gelingen, daß unsere Formen wieder als lebendige, sinnvolle Institutionen von allen respektiert werden. Oder noch anders: Es handelt sich darum, die Formen unserer Verfassung in Einklang zu bringen mit dem Geist unseres Kartellebens.

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