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Der jüdische Student · 1925-06-01 · Heft 4-5 (Juni 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 4-5 (Juni 1925)
Date
1925-06-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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110 Die Aufgaben des KJ*V\ wir freuen uns, daß -wir nach einer gewissen Zeit sachlicher Differenzen uns mit den Hauptgedankengängen identisch erklären können. Ich möchte mich infolgedessen begnügen, zu dem hier behandelten Fragenkomplex einige kurze ergänzende Bemerkungen zu machen. Unsere Jugendbewegung ist sicherlich nicht knechtisch abhängig, aber verständlicherweise stark beeinflußt von der deutschen Jugendbewegung. Werner Bloch betont mit Recht, daß diese daran zerbrach, daß sie die gelösten Kräfte nicht einzustellen verstand auf ein sachliches Ziel. Positiv: unsere Jugendbewegung konnte ähnlich wie die deutsche Arbeiter Jugendbewegung nur dadurch gelingen, daß man ihr konkrete politische Aufgaben setzte, den Aufbau unseres Landes. Es blieben Rudimente der — ich möchte einmal sagen — ersten Phase als reiner Jugendbewegung. Jene der Jugendbewegung eigene allgemeine Ablehnung jeglichen Betriebes, das übermäßige Betonen der aus dem Gefühl geborenen Tat ließen unwillkürlich die Erkenntnis überhaupt negieren und mit ihr jene Sphären, die sie gerade geschaffen und vornehmlich beherrscht, wissenschaftliche Arbeit, vor allem aber Partei, Organisation, Politik überhaupt. Der Blau- Weiß hat diese Haltung im wesentlichen überwunden, dagegen finden wir diese Stimmung wieder stärker bei dem zeitlich jüngsten Teile unserer Jugendbewegung; politische Erziehung, ein lebhaftes inneres Anteilnehmen an der zionistischen Entwicklung ist eine Forderung, die für die zionistische Jugend eine zwingende Notwendigkeit ist; fast naiv anmuten muß es, wenn noch heute Zeitschriften, die auf weiteste Kreise jüdischer Jugend erzieherisch wirken sollen, Politik gleichsetzen mit von niemandem als ethisches Plus empfundenen Methoden niederer taktischer Praktiken. Überhaupt werden wir etwas realer, wirklichkeitsnäher eingestellt sein müssen. Es fehlt in unserer Jugendbewegung mitunter der Schuß herber Männlichkeit. Wir alle sind aus dem Gefühl menschlicher Sauberkeit und Reinheit Zionisten geworden, man sollte aber vorsichtig sein, durch ein hypertrophiertes, manchmal fast sentimental wirkendes Arbeiten mit derartigen Begriffen Menschen für eine Welt vorzubereiten, die auch Palästina trotz allem, was es uns bedeutet, zumindest heute noch nicht sein kann. Und noch eine zweite kurze allgemeine Bemerkung sei erlaubt. Wir identifizieren uns völlig mit Blochs Forderungen, daß die älteren geeigneten Menschen der Jugend heranzuziehen sind zur politischen Mitarbeit; gerade wir haben immer wieder versucht, unsere Bundesbrüder in dieser Entwicklung zu bestärken. Aber diese Mitarbeit, das von uns immer wieder geforderte wahre Staatsgefühl verlangt die Übernahme der vollen Verantwortung, nicht nur eine Interessenahme im Sinne einer bestimmten Gruppe. Das Verhältnis Organisation und Jugend bedarf noch einer gründlichen Klärung. Wir glauben, daß die Entwicklung

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