Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Aufgaben des KJ.V. 109 das nicht nur auf deutsches Studentenwesen zutrifft. Was soil man zu der kürzlichen Diskussion in der Wiener Morgenzeitung sagen, was dazu, daß in Polen eine ähnliche Stimmung herrscht, die so weit geht, daß man geschmacklos genug ist, um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen, zur Universitätseröffnung eigene Paradewaffen mitzubringen? Warum duldet die Exekutive des Jüdischen Weltstudenten Verbandes derartiges? Die soziale Ordnung der Welt ist heute erschüttert durch das Sich nicht mehr Verstehen von Kopf- und Handarbeitern. Allein die Entwicklung in Deutschland sollte abschreckender Beweis genug sein. In Palästina dürfen und werden standesbewußte, gewöhnlich kleingeistige Akademiker keinen Platz haben. Hier gilt es7 einen neuen Typ zu schaffen, der sich einreiht in die aufbauenden Kräfte des Landes und durch seine Persönlichkeit geeignet ist, jenes für Europa so verderblich gewordene System der Separierung zu überwinden. Das K.J.V. muß es als eine seiner Hauptaufgaben ansehen, durch eigene Leistung hier richtunggebend zu wirken. Neben dem dauernden Bemühen, geeignete Menschen für die Zionisierung der geistig-jüdischen Welt zu stellen, muß der Versuch treten, einen dem besonderen Charakter des Landes entsprechenden Typ zu schaffen, der, gleichgültig, ob als Kopf- oder Handarbeiter, bereit und imstande ist, sich der Gesamtheit schaffender Menschen einzureihen. Wir werden unser Augenmerk auf dieses Tätigkeitsgebiet zu werfen haben, doch darf man unsere Arbeitsmöglichkeiten nicht überschätzen; die Hauptstoßkraft unseres Bundes wird an anderer Stelle anzusetzen sein. Das K.J.V. ist keine Jugendbewegung im eigentJichen Sinne. Sein Ausgangspunkt ist nicht das Suchen nach neuen Lebensformen, sondern die intellektuelle Entscheidung junger Juden für ihr Volk. Trotz dieser anderen Entstehungsursache rechnet es sich zur zionistischen Jugend und ist an der Entwicklung aller ihrer Gruppen interessiert. In diesem Zusammenhange muß ein Vorurteil aufgeklärt werden, das in bestimmten Kreisen gegen das K.J.V. besteht. Es gibt Schlagworte, die von einem Körnchen Wahrheit ausgehend, dieses so vergröbern, daß die Behauptung als solche ihren Sinn fast völlig verliert. Man sagt dem K.J.V. nach, daß der Zionismus seiner Mitglieder ein nur intellektueller sei. Nun ist richtig, daß ein gewisser Unterschied schon infolge der verschiedenen Ausgangspunkte zwischen dem K.J.V. und den anderen Gruppen besteht, die These aber des nur intellektuellen Zionismus ist eine groteske, die einfachsten psychologischen Gesetze mißachtende Behauptung. Wir haben uns in unserer Erziehung niemals begnügt mit rationellem Erkennen, immer machten wir den Versuch, den ganzen Menschen zu erfassen; das Erlebnis Zionismus kann überhaupt nur irrationaler Art sein. Ueber die Arbeit innerhalb der zionistischen Jugend hat vor einiger Zeit Werner Bloch im Zentralkomitee ein Referat gehalten;