Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Die Aufgaben des K.J.V. gen sofort unbeirrt auch den neuen Weg, der Bund als solcher stockte, die Mehrheit war unsicher, schien zu versagen. Der tiefere Sinn der Krise ist darin zu sehen, daß die im Kartell vereinigte Gruppe westeuropäischer junger Juden kämpfte um ihren Anschluß an das neue Palästina. Jahre unbeirrten Sichbemühens liegen hinter uns. Nicht immer ging es geradlinig aufwärts, e i n Erfolg ist festzustellen: der mit allen Kräften erstrebte seelische Anschluß ist gelungen. Die Realität Palästinas pulsiert stark im Kartelleben. Es gibt kaum noch jüngere Bundesbrüder, die Palästina nicht in ihr Lebensprogramm aufgenommen haben, nicht alle haben die Frage positiv gelöst, aber jeder rechnet damit. Mehr als sonst haben unsere Reihen verlassen, sei es, daß sie den organisatorisch letzten Schritt bereits getan, sei es, daß sie jeglichen Zusammenhang mit den arbeitenden Kräften unseres Bundes verloren haben. Einstmals wurde das nur positiv jüdisch eingestellte Kartell zionistisch, die zweite große Entwicklungsperiode liegt fast abgeschlossen hinter uns; das Kartell, das früher Zionismus als Erkenntnis postulierte, fordert heute Zionismus als gelebte Wirklichkeit, sei es in Palästina, sei es als Träger unserer Arbeit in der Gallith. Diese Entwicklung ist immer noch zu verstärken; schon tauchen neue Aufgabenkreise auf, das Kartell hat sich als solches einzuordnen in die zionistische Welt, die heule ihre Hauptorientierung durch Palästina erhält. Es ist selbstverständlich, soll aber nochmals hervorgehoben werden, daß ein derartiges Referat nicht den gesamten Umkreis der Fragen unserer Bewegung behandeln kann. Diese Einschränkung versteht sich in doppeltem Sinne: wohl fordern wir von unseren Menschen, daß sie mit der zionistischen Welt in ihrem ganzen Ausmaß vertraut sind, nichts Jüdisches darf uns fremd sein, aber unsere Welt ist wirklicher und damit umfangreicher geworden, der Kartelltag ist nicht der Ort. zu allen heute aktuellen Fragen entscheidend Stellung zu nehmen. Unser Aufgabenkreis in der zionistischen Bewegung ist ein ganz spezifischer, mit ihm werden wir uns zu befassen haben. Und auch diesen engeren Rahmen vermag ein Referat nicht erschöpfend auszufüllen, gewisse Probleme können zunächst nur angedeutet werden, erst die Gesamtheit der Referate und unserer Beratungen werden ein Spiegelbild unseres geistigen Kartelllebens ergeben. Das Kartell gehört seiner inneren Struktur nach zwei großen Gruppierungen der zionistischen Welt an: Als Zusammenfassung junger zionistischer Menschen hat es viele Gemeinsamkeiten mit dem, was man schlechthin zionistische Jugendbewegung nennt. Seinen besonderen Charakter erhält es dadurch, daß seine Mitglieder im wesentlichen Vertreter derselben sozialen Schicht, Akademiker, sind. Bei der Frage der Möglichkeiten unserer Einordnung in die zionistische Welt, dem Versuch, unsere sachlichen Funktionen in derselben aufzuzeigen, sind beide Tatsachen-