Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Zionismus und Kultur unserer sämtlichen Altherrenbünde werden müßte, ist der Gedanke der Bundespflicht. Man mag ihm im einzelnen verschieden ausgestalten und den individuellen Gegebenheiten noch so sehr Rechnung dabei tragen, festzuhalten ist: Die Zugehörigkeit zur Altherrenschaft des K.I.V. verlangt nicht nur bestimmte Gesinnungsvoraussetzungen, sondern erheischt auch die Erfüllung gewisser Pflichten. Ihre Vernachlässigung hat auf Grund eines im einzelnen genauer zu regelnden Verfahrens den Ausschluß aus dem Kartell zur Folge. Zionismus und Kultur. Von Ernst Halitzki, V.J.St. Hasmonäa, Berlin. Leider hatte ich seinerzeit nicht Gelegenheit, das Referat von Leo Strauß im Kamp zu hören, und leider bietet seine skizzenhafte Antikritik nicht die Möglichkeit, seine Stellungnahme so genau zu erkennen, daß ich mich mit ihr auseinandersetzen könnte. Um so mehr begrüße ich den Artikel von Weinberg, nicht, weil dieser mir dem Inhalt oder der Form nach erfreulich war, sondern weil er mir Anlaß gibt, auf eine Materie einzugehen, die für die Zukunft des Zionismus und des Kartells von ausschlaggebender Bedeutung ist: Auf die Frage der Kultur, auf die Frage der Entwickelung der jüdischen Kultur. Der Artikel von Weinberg zeigt in aller Schärfe eine derartige Auffassung von Zionismus und vor allem von Judentum, daß ich glaube, dem Inhalt seiner Kritik aufs schärfste entgegentreten zu müssen. Zunächst aber will ich ganz kurz darauf hinweisen, daß mir auch der Ton in Weinbergs Artikel gänzlich unangebracht erscheint. Ich stehe seit langer Zeit dem Misrachi fern, kenne aber, glaube ich, seine inneren Schwächen besser als W. Daß man es aber unternimmt, den aufrichtigen und unbedingten Zionismus der Misrachisten überhaupt in Zweifel zu ziehen, ist eine außerordentliche Anmaßung, daß man ihnen konzediert, daß sie nicht „auch nur irgendwie besonders unsympathische Menschen" sind, wirkte auf mich grotesk. Ich will darauf verzichten, diese unmögliche Art der Diskussion noch weiter an einer Reihe von Beispielen zu kennzeichnen, ich glaube jedenfalls, daß man darauf im Interesse der Sachlichkeit und in Anbetracht des Ernstes der Materie verzichten sollte. Ich komme nun zu der sachlichen Grundlage des Weinbergschen Artikels. Die Ursache der Stellungnahme W.s ist darin zu erkennen, daß er in erschreckend hohem Maße assimiliert ist.