Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte des Präsidiums 81 heranzutreten. Es wird notwendig sein, die Entwicklung der Verhältnisse Palästinas in ihrer Tendenz erst klarer zu erkennen. Es wird weiter notwendig sein, daß die Bindungen, die das Kartell bereits heute mit Erez Israel verknüpfen, stärker werden und daß vor allem das Kartell über eine größere Anzahl übersiedlungsreifer Menschen verfügt, als heute. Julius Michels. d) Berufsressort* Dem Bericht des Berufsressorts soll eine kurze Darlegung über den Stand der Berufsfrage vorangeschickt werden: Das Berufsressort ist seiner Zeit fast ausschließlich zu dem Zwecke gegründet worden, die Berufsumschichtung bezw. die Berufsumstellung unserer Menschen zu fördern. Das Ressort sollte vor allem als Beratungsstelle dienen. In der Erkenntnis, daß die Frage der Berufsumschichtung und Berufsumstellung in erster Linie ein Erziehungs- und erst in zweiter Linie ein berufstechnisches Problem ist, sollte das Ressort gleichzeitig versuchen, direkten erzieherischen Einfluß zu erlangen. Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Möglichkeiten einer zentralen Stelle, in diesem Sinne zu wirken, äußerst gering sind. Von den erschwerenden Besonderheiten der Berufsfrage im Kartell, die weiter unten kurz gestreift werden sollen, abgesehen, erscheint eine starke palästinozentrische Erziehung, die Grundlage und Voraussetzung ist, nur möglich, wenn die gesamte Erziehung unserer Bundesbrüder nach dieser Richtung orientiert und beschwert wird. Die einschneidende Bedeutung, die diese Frage für das gesamte Leben unserer Bundesbrüder haben müßte, verträgt nicht eine nebensächliche Behandlung. Es hat sich weiter gezeigt, daß, selbst die geforderte gesteigerte Betonung dieser Fragen vorausgesetzt, der Weg der Berufsumschichtung, der gleichbedeutend mit der Wahl eines landwirtschaftlichen bezw. handwerklichen Berufes ist, nur von wenigen unserer Bundesbrüder gegangen werden kann. Die Gründe hierfür, die oftmals dargelegt worden sind, mögen hier kurz wiederholt werden. Sie bestehen in erster Linie darin, daß wir unsere Menschen erst im reiferen Alter für den Zionismus gewinnen, d. h., in einem Stadium, in dem sie sich bereits für einen Beruf entschieden haben und sich also schon in der Berufsvorbereitung befinden. Sind sie endlich zionistisch so weit, daß sie willens sind, ihre Zukunft nach den Erfordernissen von Erez Israel einzurichten, so sind sie meistens so weit in ihrer Berufsausbildung vorgeschritten, daß wirtschaftliche und altersmäßige Gründe eine radikale Umschichtung unmöglich machen. Wir müssen uns damit bescheiden, daß Erziehung zur Chaluziuth nur in den Bünden wirklich wird geleistet werden können, die in der Lage sind, ihre Menschen bereits in frühem Alter zionistisch zu erziehen und zu beeinflussen. Dies schließt nicht aus, daß es auch bei uns stets eine Anzahl Menschen geben wird und geben muß, die den Weg der Chaluziuth gehen. Die Anzahl dieser Menschen wird stets Prüfstein für die Güte des Kartells und Beweis für die Stärke der palästinozentrischen Einstellung unserer Verbindungen sein. Das Bestreben, diese Anzahl möglichst zu erhöhen, darf jedoch nicht zu dem Trugschluß führen, daß das Kartell seine Mitglieder zur Chaluziuth erzieht, denn eine derartige Zielsetzung würde — wenn sie mehr als eine Geste sein sollte — verlangen, daß