Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537625-3537627--6270-3544345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
78 Berichte des Präsidiums schaffen damit der zionistischen Organisation und dem Aufbauwerke neue Mitarbeiter und sorgen dafür, daß ein immer zufließender Strom frischen Blutes in die Organisation einfließt. Nur dann, wenn eine dauernde Verjüngung stattfindet, wird es der Organisation und natürlich auch uns möglich sein, eine gedeihliche Arbeit zu leisten. Nur dann werden wir vor Vertrocknung und Erstarrung bewahrt werden, da wir uns immer wieder neuen Menschen und Ideen gegenüber zu bewähren haben und gezwungen sind, uns durchzusetzen. Wenn wir unter diesem Gesichtspunkte die Werbearbeit betrachten, so wird ihre Bedeutung eine um so größere als, wie wir wissen, gerade die Jugendorganisationen es sind, welche den wesentlichsten Nachwuchs für die Organisation zu stellen haben. Eine unter dieser Einstellung durchgeführte Werbearbeit wird aber auch einen viel größeren Erfolg zu verzeichnen haben, da wir, eingestellt in das große Gesamtwerk, mit ganz anderer Befriedigung und ganz anderem Schwünge an diese Arbeit herangehen werden. Es wird nötig sein, daß sich unsere Bundesbrüder dieser Gesichtspunkte wieder mehr bewußt werden, und es wird die Aufgabe gerade der erziehenden Menschen in unseren Verbindungen sein, die jüngeren Bundesbrüder mit dieser weitgehenden Bedeutung der Werbearbeit vertraut zu machen. Wir wollen noch auf einen Einwurf zu sprechen kommen, welcher vielfach noch immer vorgehalten wird. Man hört den Vorwurf, daß wir zu viel Wert auf Zahlen und zu wenig auf Qualität legen. Einen derartigen Widerspruch können wir nicht anerkennen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß der Hauptwert auf die Qualität der Neuaufzunehmenden zu legen ist. Die eigentliche Auswahl aber erfolgt im allgemeinen erst dann, wenn die Betreffenden eine längere Zeit bei uns gelebt haben. Schon vielfach hat es sich gezeigt, daß Menschen, welche bei der Aufnahme nicht viel versprachen, im Laufe der Erziehung gerade unsere wertvollsten Mitarbeiter wurden. Die Zahl solcher Menschen wird umso größer sein, je zahlreicher uns Menschen zur Auswahl gegenüberstehen. Es hat sich immer wieder gezeigt, daß aus einer großen Zahl aufgenommener Füxe auch eine verhältnismäßig große Zahl wertvoller Menschen für uns hervorgeht. Die hier gemachten Ausführungen gehen bewußt über einen Werbebericht hinaus. Es schien erforderlich, gerade mit Rücksicht darauf, daß über eine lange und durchaus uneinheitliche Arbeitsperiode zu berichten ist, die ganzen Fragen der Werbearbeit nochmals aufzurollen, damit die Besprechung über die Werbearbeit, welche auf dem Kartelltage stattfinden soll, auch diese Fragen in den Kreis der Erörterungen zieht. Berichtend sei noch hinzugefügt, daß wohl keine Verbindung in den letzten Jahren den Anforderungen genügt hat. Besonders ist dieses für die Sommeruniversitäten der Fall geworden, wo wir gerade ein großes Werbematerial haben und uns den Nachwuchs auch für die anderen Verbindungen schaffen können. In den Großstädten wurde etwas besser gearbeitet, jedoch sind auch hier vielfache Versager festzustellen. Insbesondere sind Städte wie Breslau und Frankfurt gänzlich ausgefallen. Erfreulicherweise scheint sich jedoch in den meisten Verbindungen in diesem Semester vieles gebessert zu haben, so daß zu hoffen ist, daß die Erfolge des Sommer Semesters verhältnismäßig gute sein werden. Paul Hirsch.