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Der jüdische Student · 1925-05-01 · Heft 3 (Mai 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 3 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Berichte des Präsidiums 77 keit wendet, von dieser Zeitströmung erfaßt sind, oder ob die akademische jüdische Jugend es verstanden hat, sich von dieser Richtung freizuhalten. Zweifellos wird z. B« gerade hier ein Teil die schwarz-rotgoldene Bewegung unter dem Gesichtspunkt eines umfassenderen republikanischen Ideals als ihr Betätigungsfeld betrachten. Ein anderer Teil wird'sich vielleicht auch stark in die sozialistische Bewegung als tätige Mitarbeiter begeben. Der überwiegende Teil geht jedoch, wie wir glauben, entweder als reine Berufsmenschen in dem Studium auf, oder wendet sich jenen paritätischen oder ähnlichen Gruppen zu, wo man, ohne ernsthaftere Verpflichtungen zu übernehmen, eine „sorglose Studienzeit" verbringen will. Es ist überflüssig, noch zu betonen, daß ein Teil auch der jüdischen Studentenschaft sich mit einer gewissen Ausschließlichkeit der Sportbewegung zuwendet. Wir glauben, daß wir in allen geschilderten Richtungen brauchbare und wertvolle Mitarbeiter für unsere Sache finden könnten. Naturgemäß wird es uns am leichtesten — der Einstellung nach — dort fallen, wo an sich schon eine gewisse idealistische Richtung vorhanden ist, also in jenen Gruppen der republikanischen, sozialistischen, pazifistischen usw. Studentenschaft. Doch dürften hier gerade in anderer Hinsicht viele Schwierigkeiten zu überwinden sein. Nicht mit Unrecht wird oft betont, daß innerhalb größerer Kreise des deutschen Judentums der Zionismus als eine überholte Angelegenheit angesehen wird, daß efc, wie man sagt, „jüdischere" Dinge gibt als den Zionismus, indem man unsere Forderungen der Form nach übernimmt, sie aber von der Idee des Zionismus abstrahiert und als Selbständigkeiten aufstellt. Um allen diesen Strömungen gegenüber erfolgreich werben zu können, ist eine universelle Bildung erforderlich, welche vielfach unseren Bundesbrüdern fehlt. Dieses ist mit ein Hauptfaktor dafür, daß unsere Werbearbeit nicht den gewünschten Erfolg hatte. Es muß wieder möglich werden, daß ein großer Teil unserer Bundesbrüder sich mit intelligenten jungen Menschen über geistige Fragen auseinandersetzen kann und mit dem Rüstzeug einer wirklich fundierten allgemeinen Bildung die Ueberlegenheit unseres Standpunktes jederzeit darzulegen vermag. Hier muß in der nächsten Zeit unbedingt Wandel geschaffen werden. Man wird dann auch alle geistig wertvollen Menschen erfassen können, so daß auch die Qualität der Menschen, die zu uns kommen, größer wird. Es ist ferner erforderlich, darauf hinzuweisen, daß der Gesichtspunkt, unter dem vielfach unsere Bundesbrüder an die Werbearbeit gehen, ein falscher ist. Wir glauben, in der Annahme nicht fehl zu gehen, daß oft die ganze Werbearbeit von den Bundesbrüdern als ein lästiges Uebel empfunden wird. Bestenfalls herrscht bei der Mehrheit unserer aktiven Bundesbrüder die Erkenntnis, daß sie den Nachwuchs für das Kartell und für die eigene Verbindung schaffen müssen, wobei die größeren Gesichtspunkte für die Notwendigkeit der Werbearbeit übersehen werden. Wir glauben, daß nur die Wenigsten erkannt haben, daß der Werbearbeit eine ganz andere Bedeutung noch beizumessen ist. Immer wieder wird auf allen zionistischen Tagungen die Propagandafrage in den Vordergrund der Debatte geschoben. Und immer wieder wird der Ruf nach neuen Menschen laut. In diese allgemeine zionistische Propaganda ist unsere Werbearbeit einzureihen. Indem wir werben und für uns neue Menschen heranziehen, erfüllen wir zugleich eine der wesentlichsten zionistischen Pflichten, welche eine zionistische Gruppe in der Galuth überhaupt leisten kann. Wir

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