Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Berichte des Präsidiums Diese allgemeine Bildung ist gewissermaßen eine Voraussetzung für eine intensive Ausbildung in den geistigen Grundlagen der zionistischen Bewegung. Gerade auf diesem Gebiete haben wir in den letzten Jahren sehr versagt. Die Schwierigkeit, wieder einen gediegenen Fuxenunterricht in den Verbindungen durchzuführen, liegt darin, daß wir so außerordentlich wenig gut ausgebildete Kursleiter besitzen. Um den dafür in Frage kommenden Bundesbrüdern behilflich zu sein, werden wir eine Broschüre mit einer Art kurzer Bibliographie zusammenstellen, in der die wichtigsten Gebiete der zionistischen Ideologie, (wie „Zionismus und Nationalismus", „Emanzipation und Assimilation", „Antisemitismus" u. a.), die sich teilweise in den letzten Jahren geändert haben, und die zugehörige Literatur von einzelnen Bundesbrüdern behandelt und Literatur kurz zusammengestellt und besprochen wird. Palästina. Die entscheidende Handlung in der zionistischen Situation is\ die Tatsache, daß der Palästinaaufbau in den letzten Jahren Wirklichkeit geworden ist. Damit ist notwendig eine grundlegende Aenderung unserer K. J. V.-Erziehung und der Anlage der sogenannten Tendenz- Fuxenstunden gegeben. Von stärkerer erzieherischer Kraft als alle ideologischen Begründungen ist die palästinensische Wirklichkeit. Die Verknüpfung unserer Menschen mit den politischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen Palästinas ist die wichtigste Aufgabe unserer Erziehungsarbeit. Die Beschäftigung mit diesen Problemen muß in den Mittelpunkt des gesamten Unterrichts treten. Die Kenntnis des Landes aus eigener Anschauung ist allerdings eine Voraussetzung für den, der einen wirklich lebendigen Unterricht erteilen will. Es gibt heute bereits eine Reihe von Bundesbrüdern, die in Palästina waren. Ihre Zahl reicht aber bei weitem nicht aus. Auch vom Standpunkte der Erziehung unseres Nachwuchses ist die Organisierung der K. J. V'er-Fahrt nach Palästina neben den vielen anderen Gesichtspunkten ein unbedingtes Erfordernis. Sie ist das beste Mittel, hier eine weitgehende Besserung zu schaffen. Selbstverständlich müssen wir darauf bedacht sein, daß besonders diejenigen Bundesbrüder an diesen Reisen teilnehmen, die auf Grund ihrer geistigen Fähigkeiten geeignet sind, Kurse zu geben, die wirklich aufnahmefähig sind und zu sehen verstehen. Die Verknüpfung mit den Problemen Palästinas erfordert eine gründliche Sachkenntnis. Um den hier immer größer werdenden Anforderungen gerecht zu werden, werden wir dem Unterrichtsressort als Unterabteilung ein spezielles Palästinaressort angliedern. Seine Aufgabe wird es sein, unsere Bundesbrüder durch regelmäßige Hinweise auf alles bemerkenswerte Material,* insbesondere Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, und durch Besprechung der vorhandenen Literatur die nötigen Unterlagen zu verschaffen. Vielleicht kein Zweig unserer Arbeit hat in den letzten Jahren so sehr gelitten wie die geistige Ausbildung unserer Bundesbrüder. Schwer ist unsere Aufgabe, groß sind unsere Möglichkeiten. Wir wollen hoffen, daß die Konsolidierung des Kartells und die Intensität unseres Wollens auch hier die Schwierigkeiten überwinde und uns im kommenden Jahre ein gutes Stück vorwärts bringen wird. David Nachmannsohn.