Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte des Präsidiums 71 Erst die im vergangenen Jahre begonnene Reorganisation des Kartells, die* zur Konsolidierung einiger Verbindungen führte, gibt uns die Möglichkeit, das geistige Leben des Kartells wieder auszugestalten und unsere Erziehungsziele, wie es auch früher stets unser „ Streben war, den Forderungen und Bedürfnissen der zionistischen Gegenwart anzupassen. So wurde das Unterrichtsressort im Herbst des vergangenen Jahres neu besetzt. Es wird sich angesichts der Kürze der Amtsperiode weniger um einen Bericht über die vergangene Zeit handeln als vielmehr, in kurzen Umrissen, die zum Teil begonnenen Aufgaben für die kommende Periode zu skizzieren Hebraisierung* Unser Ziel ist hier klar vorgezeichnet. Während noch die früheren Kartelltage von der Notwendigkeit des Lernens ausgingen, ist heute die Erreichung eines bestimmten Maßes von Können ein integrierender Bestandteil der K. J. V.-Ausbildung geworden. Die Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren verlangt von jedem aktiven Zionisten eine ernsthafte Bemühung um die Beherrschung der Sprache, da ohne sie ein wirklicher Konnex mit dem Jischuw heute schon unmöglich ist. Wir müssen von unseren Menschen verlangen, daß sie hebräische Zeitungen und Zeitschriften lesen, ohne deren Lektüre sie nie einen lebendigen Zusammenhang mit dem palästinensischen Leben gewinnen werden. Das Unterrichtsressort hat daher als erste Aufgabe die Neuregelung des hebräischen Unterrichts vorgenommen. Die Einzelheiten sind im letzten J. St. ausführlich dargestellt. Hier sei nur kurz zusammengefaßt: Wir haben für die hebräische Ausbildung eine Lernzeit von 8 Semestern (vier vollen Jahren) vorgesehen. Zur A. H. ierung wird von jetzt an unbedingt ein hebräisches Examen verlangt, bei dem folgende Forderungen erfüllt werden müssen: 1. Beherrschung der modernen Sprache so weit, daß man hebräische Zeitungen und Zeitschriften lesen kann, 2. Kenntnis der wesentlichsten Teile der Bibel, insbesondere der Thora und der großen Propheten. Das Präsidium wird dein Kartelltag einen diesbezüglichen Antrag vorlegen. Ausnahmen werden nach dem Kartelltag unter keinen Umständen mehr möglich sein. Bundesbrüder, die das Examen nicht ablegen können, scheiden automatisch aus dem Kartell aus. Um unnötige Härten zu vermeiden, wird das Präsidium bis zum Kartelltag die von den Verbindungen befürworteten vorliegenden Gesuche aufarbeiten und ii* besonderen Fällen, die durch die Zustände der letzten Jahre bedingt sind, Ausnahmen zulassen. Hervorzuheben ist, daß es sich im ganzen Reich nur um ganz wenige Fälle handelt. Das Kartell hat in der Hebraisierung wirkliche Fortschritte gemacht, und unsere Forderungen sind überhaupt erst möglich, weil heute weite Kreise des Kartells mit wirklicher Intensität hebräisch lernen. Die Aufgabe des Präsidiums wird sein: 1. Eine strenge Kontrolle über das Lernen der Bundesbrüder von den ersten Semestern an, 2. Beschaffung und Empfehlung geeigneter Lehrmittel, 3. Beschaffung geeigneter Lehrkräfte namentlich für die kleinen Universitäten. Judaisierung. Ueber dieses Programm hinaus ist es eine der bedeutungsvollsten Aufgaben des Kartells, Wege zu finden, daß unsere Menschen Hebräisch nicht nur als Sprache, sondern als geistigen Besitz aufnehmen. Denn geistige Menschen können ein enges Verhältnis zu einer Sprache nur bekommen, wenn diese für sie mit geistigen Werten verknüpft ist.