Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Berichte des Präsidiums harte Wirklichkeit, die die Spuren der Gallith noch an sich trägt. Durch die Tatsache der Überfahrt werden unsere Menschen noch nicht besser und weiser, und erst unter furchtbaren Kämpfen wird sich dort das Gesunde und Starke durchzusetzen haben. Es gibt viele Beweise dafür, daß unsere Menschen diese Tatsache vielleicht rein äußerlich wußten, aber sie sich nicht zu eigen gemacht hatten. Kann man durch eine geeignete Erziehung schon hier das Verständnis für das Leben dort erwecken und fördern, so wird es entscheidend sein, ob es uns gelingt, dort Glieder des neuen Jischuw zu werden. Die Forderung nach Hebräisch ist Gott sei Dank in diesem Zusammenhang zu einer Banalität geworden, aber für Palästina braucht man noch mehr, als den geeigneten Beruf und die Beherrschung der Sprache. Immer wieder stellt es sich heraus, daß Menschen dort scheitern infolge einer mangelnden Bildung, die erst das Verständnis für die großen Kämpfe ermöglicht, die heute dort ausgetragen werden, und eine Stellungnahme, die nicht von Parteifanatismus oder Sentimentalität diktiert wird. Wir glauben, daß es so erzogenen Menschen nicht schwer sein wird, dort den Weg zu finden und zu erkennen, wo aufbauende Kräfte am Werke sind und wo zerstörende. Es lag im Wesen dieses Aufsatzes, daß er einmal nur den Rahmen skizzieren sollte, in dem sich die Auseinandersetzungen auf dem Kartelltäg abspielen werden. Wir sehen dem Kartelltag mit einer freudigen Spannung entgegen, nicht, weil wir von ihm sensationelle Entscheidungen erwarten, sondern weil wir glauben, daß sich hier ein Kreis von Menschen zusammenfinden wird, der bereit ist, den schweren, aber beglückenden Weg des Zionismus r zu gehen. Berichte des Präsidiums. a) Unterrichtsressort Die äußeren Schwierigkeiten, mit denen das Kartell nach dem Kartelltage zu kämpfen hatte, absorbierten die verfügbaren Kräfte, so daß die innere Ausgestaltung des Lebens der Verbindungen sehr stark vernachlässigt wurde. Das Bildungsniveau unserer Menschen sank in starkem Maße, es entsprach im Durchschnitt keineswegs mehr unseren Vorstellungen von der Bildung eines K.J.Vers. Immer seltener wurde der für uns so wichtige Typ des wirklich gebildeten Europäers, der, vertraut mit der Vergangenheit des jüdischen Volkes, insbesondere seiner Entwicklung im letzten Jahrhundert, auf Grund seiner Kenntnis der Situation der Gegenwart zu politischem Urteil berechtigt und zu politischer Tätigkeit in besonderem Maße geeignet war. Der Wirtschaftskampf nahm unsere Menschen rein zeitlich derartig in Anspruch, daß der Typ des Akademikers, d. h. des Menschen, der seine Zeit vorwiegend geistiger Beschäftigung widmete, eine Ausnahmeerscheinung wurde.