Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Zum Kartelltag Fraktionszwang auftrat, und der auf Grund dieser Tatsache seine Vertretung in allen Körperschaften verlangt. Das K.J.V. muß es ablehnen, diesen Weg zu gehen. Es betrachtet sich als eine Erziehungsgemeinschaft, die in sich verschiedenste Strömungen, die alle durch eine bestimmte zionistische Haltung gekennzeichnet sind, vereinigen will. Das K.J.V. glaubt, daß nichts bedenklicher ist, als die Tatsache, daß die lediglich in Fraktionen hineingestellten Menschen immer wieder nur sich sehen und die die Auseinandersetzung mit anderen Anschauungen nur noch in der Form politischer Kämpfe um bestimmter politischer Ziele kennt (z. B. bei Wahlen auf Kongressen usw.). Es gibt kein stärkeres Erziehungsmittel des K.J.V. als die Tatsache, daß sich in ihm Menschen verschiedener Anschauungen treffen und hier lediglich um der Reinheit der Idee willen den Kampf führen. Das K.J.V. hat also nicht die Möglichkeit, in politischen Auseinandersetzungen mit einem bestimmten „K.J.V.er Standpunkt" hervorzutreten. Unsere führenden Menschen stehen heute in der Arbeit einzelner Gruppen und treten als deren Repräsentanten auf, so daß man in ihnen dann nicht mehr den K.J.Ver sieht. Aus dem oben Gesagten ergibt sich, daß man von einem „Sonderprogramm" des K.J.V. innerhalb der Z.V.f.D. nicht sprechen soll. Es hat sich als eine Erziehungsgemeinschaft zu bewähren durch die menschliche und zionistische Qualität seiner Menschen, nicht durch eine bestimmte wirtschaftliche und politische Konstruktion. Nun gibt es aber eine Reihe von Aufgaben, um deren Erfül lung sich das K.J.V. bemüht, die lediglich dadurch zu spezifischen Aufgaben werden, daß es heute keine andere Gruppe gibt, die die kontinuierliche Erfüllung dieser Aufgaben gewährleistet. Die zionistische Arbeit in Deutschland wird heute charakterisiert durch zwei Erscheinungen: erstens durch das Entstehen eines zionistischen Beamtentums, zweitens durch das immer stärkere Zurückgehen der sogenannten „ehrenamtlichen Mitarbei ter". Dem gegenüber muß die Forderung lauten: Schaffung eines qualifizierten zionistischen Beamtentums, das sich als Exponent einer im gleichen Geiste zionistisch arbeitenden Gesellschaft fühlt. Man sprach einmal in unseren Reihen von den Gefahren eines „Funktionärzionismus". So etwas kann es nur geben, wenn sich der Beamte als der alleinige Träger aller zionistischen Funktionen betrachtet. Es ist ja gerade die wesentlichste Aufgabe des zionistischen Beamten, immer und immer wieder Zionisten zur Mitarbeit aufzurufen und nur, wenn ihm das gelingt, erwachsen ihm immer neue Kräfte für seine eigentlichen Aufgaben. Ein Keren- Hajessod-Beamter wird auf die Dauer nur Erfolg haben können, wenn er weiß, daß überall von Zionisten immer wieder der gleiche Kampf gekämpft wird, den er Tag für Tag zu kämpfen hat. Und so erwachsen für das K.J.V. nach zwei Richtungen hin bedeutende Aufgaben. Einmal die Heranbildung, Auslese und Stellung