Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Kartelltag 67 liebstes Symptom erscheint mir immer die etwas würdelose Art unserer ChargiertenwahL Das Amt des Erstchargieften, der Ehrgeiz unserer Besten, wird heute immer mehr als Bürde, denn als Würde, empfunden. Eine Chargiertenwahl auf einem Konvent gehört nicht gerade zu den erhebendsten Eindrücken, die man von unserem Leben empfangen kann. Bedingt ist dieser Zustand nicht etwa durch die Tatsache, daß das Amt des Erstchargierten viele repräsentative Funktionen verloren hat, die ihm früher durch unseren korporativen Aufbau zukam. Wir bringen es vielmehr in Zusammenhang mit der mangelnden Verfügungsbereitschaft auch eines Teils unserer Aktiven. Ein Erstchargierter mit einer Aktivitas, die sich nur mit Klauseln für die Arbeit zur Verfügung stellt, ist ein Feldherr ohne Heer. In den letzten Jahren war ja die mangelnde Verfügungsbereitschaft unserer jüngeren Bundesbrüder aus den Verhältnissen der letzten Jahre verständlich (Inflation, Werkstudententum), und es ist zu hoffen, daß jetzt wieder unsere Menschen ihre Kräfte in viel stärkerem Maße für Verbindung und Zionismus frei bekommen. Man soll dem Erstchargierten wieder eine Fülle von Befugnissen einräumen, man soll ihn aber auch mit der Fülle der Verantwortung belasten. In diesen Zusammenhang gehört auch das Verhältnis der einzelnen Verbindungen zum Gesamtkartell und damit zum Präsidium. Man sollte wissen, daß das K.J.V. nicht ein loses Nebeneinander mehr oder minder gut arbeitender Verbindungen sein kann, sondern ein Organismus, der einer bewußten Führung bedarf. Man sollte sich dieser Führung williger unterordnen. Immer und immer wieder geben die Schwierigkeiten des Überweisungsressorts zu Zweifeln an der Ernsthaftigkeit des K.J.V.ertums einzelner Bundesbrüder Anlaß, und man sollte letztlich in seinen Beziehungen zum Präsidium den demokratischen Grundsatz nicht außer acht lassen, daß Opposition mir dann einen Sinn hat und erlaubt ist, wenn sie imstande ist, ihrerseits die führenden Menschen zu stellen. All unsere Erziehungsversuche, all unsere Bemühungen, eine erhöhte Verfügungsbereitschaft unserer Menschen zu erreichen, können nur gelingen, ja haben letzten Endes nur einen Sinn, wenn dahinter eine klare Vorstellung darüber besteht, auf welchen Wegen wir in die zionistische Welt einmünden. Diese zionistische Welt isteilt sich uns heute dar in zwei Objektivierungen: Zionistische Organisation und Palästina. Welche Stellung nimmt heute das K.J.V. in der zionistischen Organisation ein? Der Prozeß der Fraktionsbildung, der sich auch in der Z.V.f.D. in den letzten Jahren immer stärker durchgesetzt hat, hat es mit sich gebracht, daß die zionistischen Gruppen, die diese Entwicklung nicht mitmachen konnten, immer mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind. Es gibt Jugendbünde, die die Entwicklung zur Fraktion ebenfalls mitgemacht haben, so der Blauweiß, der z. B. auf dem letzten Delegiertentag als geschlossene Gruppe mit