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Der jüdische Student · 1925-05-01 · Heft 3 (Mai 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 3 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Zum Kartelltag 65 war bisher das stärkste moralische und politische Plus des Zionismus, daß er die Elite der jüdischen Jugend für sich gewann. Wenn man heute den Zugang des K.J.V. nach diesen beiden Gesichtspunkten sichtet, dann wird man einen betrübenden Rückgang des nichtzionistischen Anteils und weiter auch einen noch peinlicheren Rückgang des geistigen Niveaus konstatieren müssen. Wir wollen hier nicht untersuchen, wie weit das mit der gesamtzionistischen Situation; ferner mit der Tatsache der viel früheren Erfassung des besten Teils der Jugend durch die Jugendbewegung, vielleicht auch mit einem Rückgang des allgemeinen Niveaus zusammenhängt. Zum großen Teil ist es „behebbares" Unglück. Durch eine Revision unserer Werbemethoden und der Einstellung des K.J.V. zur Nachwuchsfrage könnte hier wieder verlorenes Terrain zurückerobert werden. Grundsätzlich müßten sich wieder unsere besten, gebildetesten und repräsentativsten Bundesbrüder in den Dienst der Werbearbeit stellen. Erschrekkend ist heute die Unfähigkeit eines Teils unserer jüngeren Bundesbriider, wertvollen Menschen gegenüber zionistische Gedankengänge zu entwickeln. Wenn man die Bemerkung „aussichtsloser Assimilanf4 als Begründung für einen mißglückten Keilversuch hört, so wird man sehr oft feststellen müssen, daß es sich hier um einen besonders gebildeten und wertvollen Menschen handelt, dem einfach der betreffende Bundesbruder nicht gewachsen war. Unsere gesamte Erziehungs- und Unterrichtsarbeit muß darauf zugeschnitten werden, daß unsere Bundesbrüder wieder Auseinandersetzungen gerade mit den schwierigsten „Fällen" gewachsen sind. Der Charakter des K.J.V. als eine Gemeinschaft von Akademikern muß wieder deutlicher hervortreten und muß nach dieser Richtung wieder eine eindeutige Physiognomie bekommen. Eine Schar zionistischer Akademiker, der man nachsagen würde, daß ihre Menschen nur mäßig intelligent und ungebildet sind, ist gerichtet. Eine systematische Erziehung müßte unsere jimgen Bundesbrüder in viel stärkerem Maße als bisher mit den Problemen unserer Umwelt vertraut machen. Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, welche Bedeutung speziell für die Werbearbeit eine genaue Beschäftigung mit der sozialistischen und pazifistischen Literatur, mit Völkerbundsproblemen hat. Wer den Menschen, die er gewinnen will, nicht auf solchem Wege zu folgen vermag, wird notwendigerweise jede Autorität bei ihnen einbüßen müssen. In diesem Zusammenhang muß auch die Frage aufgerollt werden, in welcher geistigen Welt heute der westeuropäische Zionist lebt. Bedeutet Zionismus nur etwas formales, oder bedeutet er die Erschließung einer neuen geistigen Welt? Zionismus ist die Rückkehr des entjudeten Europäers zum Judentum. Durch den Aktivismus des zionistischen Werbens ändern^ sich seine geistigen Elemente nicht. Je reicher und inhaltsvoller

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