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Der jüdische Student · 1924-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Das Camp in Forchtenberg 199 Politiker zu reebnen hätle. Der Sinn dieser .Darstellung war, einmal an der Gegenwart zu zeigen, was politisches Denken sei. Den bei uns so oft gebrauchten Rahmenbegriff „politische Erziehung", dei zu einem leeren Schlagwort zu werden drohte, machte er dadurch lebendig, dass er diu drei Komponenten einer politischen Erziehung: politischen -Charakter, politisches Urteil und politische Wirkung (von ßüeski auf der Erstchargiertentagung aufgestellt) an Beispielen aus den Ereignissen der letzten Zeit demonstrierte. An der Ermordung de Haans und der Reaktion der palästinensischen Presse darauf, an der Haltung gewisser Kre'se aiif dem Kongresse und in den Angriffen gegen Ruppin zeigte er, was er unter politischem Charakter verstehe. An einer Kritik' Jabotinskys führte er aus, was politisches Urteil sei. Voraussetzung sei ausser der Einschätzung der realen Faktoren genaueste Kenntnis der Tatsachen. Wir brauchten Spezialkenntnisse auf allen Gebieten. Zionistische Politik lasse sich heute nicht mehr von Dilettanten machen. Das Kartell sei noch zu wenig mit den Vorgängen in Erez Israel vertraut, um mit dem realen Leben dort verknüpft zu sein. So sei es z. B. notwendig, dass das Kartell zur palästinensischenArbe'terschaft in ein bestimmtes Verhältnis komme. Dazu sei eine gründliche Auseinandersetzung notwendig. Zum Schluss ging er auf die Möglichkeiten politischer Wirkung ihr das Kartell ein, das heute noch nicht ein politischer Faktor von der Bedeutung sei, wie sie ihm zukomme. Eine Diskussion über dieses Referat kam, abgesehen von einer kurzen Debatte über de Haans Ermordung, nicht zustande. Es sp'eU ten wohl verschiedene Gründe mit; sie hier zu untersuchen, würde zu weit führen. Ausser diesen Referaten vor alTen im Camp erschienenen Bundesbrüdern fanden einige erweiterte Präsidiumssitzungen statt. Es waren dazu etwa 25 Bundesbrüder aufgefordert worden, die augenblicklich Trüger der Kartelarbeit sind. Das Ziel dieser Besprechung war, einen engeren Konnex zwischen dem Präsidium und diesem Kreis zu schaffen, um mit Hilfe dieses Kreises eine zentrale Beeinflussung des Kartells zu ermöglichen. Die Sitzung wurde durch e:n Referat von Herbert Foerder eröffnet, indem er die Kärtellpolitik des Präsidiums darlegte. Es schloss sich daran eine recht fruchtbare und ausgibige Diskussion an. Die Aussprache zeitigte durchaus das gewünschte Resultat, und es wurde beschlossen, diese erweiterten Präsidiumssitzungen regelmässig in vierteljährlichen Abständen stattfinden zu lassen. Soweit die eigen*liehe Tagung. Sie war naturgemäss nur eine Seite des Camps. Eine Reihe von Veranstaltungen geselliger und »portlicher Art wie das Lagerfeuer, die Wettspie'e, die Freiübungen, Baden und vieles andere bildeien die Ergänzung und schufen eine ausserordentlich glückliche und frohe Atmosphäre. Es zeig?e sich, dass diese Form des Zusammensems für das Kar, 1 sehr geeignet ist, und noch grosse Ausbaumöglichkeiten hat. Das Camp wurde dann mit einer Herzl-Gedenkfeier geschlossen, bei der Leo Strauss einige Gedenk worte sprach.

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