Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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1.98 Das Camp in Forchtenberg nun* uhne Rückkehr zur Tradition möglich sei. Denn geistige Mm- >chrn würde ein nur auf das nationale Ehrgefühl begründeter Zionismus nicht befriedigen, wenn seine tieferen Sphären zu ihm ganz beziehungslos bleiben sollten. Ohne hier endgültige Formulierangen nrnden zu können, beantwortete er die Frage in mehr negativem Sinns. h\ der Diskusion wurde u. a. die Frage aufgeworfen, iai wie vveit dieser Fragenkomplex vor das KarleiLorum gehöre. Nachmianis- K:Am begründete die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung; mit diesem Problem. Zionismus bedeue eine Entscheidung zwischen zwei Komponenten in uns. Wir seien heute vorwiegend geformt durch ile Kujturwerte Europas. Die Entscheidung für die jüdische Komponente erwecke in uns die Sehnsucht, auch die Kulturwerte des tradiioneilen Judentums in uns aufzunehmen. Frage: Wie weit ist dies eöglich? Der Zusammenbruch des traditionellen Judentums am Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts vor dem Ansturm der gerade m einer Müte/'eit sich befindlichen europäischen Kultur hätte tiefe Ursachen. Hie Assimilation sei in ihrem Ursprung von idealistischen Motiven geleit& gewesen. Zionismus sei eine Ueberwindung der Assimilation, aber dine diese nicht möglich. („Zionismus ist ein Geschenk Europas am die Juden") Zionismus bedeute also nicht die Rückkehr zu dem jimdenhm vor der Emanzipation. (An sich eine historische Unmöglichkeit)- Zionismus bedeute für uns heute allein Aufbau von Erez Israel. Qtwiss glaubten wir, dass der Genius des jüdischen Volkes noch m?ht das letzte Wort gesprochen habe, gewiss glaubten wir an eine nfue jüdische Kultur in Palästina. In diesem Sinne sprächen wir vom jüdischer Renaissance. Auch die italienische Renaissance habe, wie Burkhaidt nachweise, mit einer politischen Bewegung begonnen. In jeder Genration sei nur ein Wort wahr, nur eine Tat die richtige. Für unsere Gfliera?tion sei es der Aufbau. Alle Werte, sowohl im Judentum, wie in der europäischen Welt seien heute schwankend und problematisch. Wiir konnten nur versuchen, die Kulturwerte des traditionellen Judentums, soweit wir sie rezipieren könnten, fruchtbar zu machen. Dies allfl-diiTgs sei notwendig und Aulgabe des Kreises, der zu geistiger Führung berufen sei. Das Kartell sei nicht nur Chaluzorganisaiion, sondern habe die Aufgabe, alle Möglichkeiten und nationalen Energie ziii fördern. Darum sei die Auseinandersetzung mit den geistigen] Wvrte des traditionellen Judentums notwendig. Di.se Diskussion stellt natürlich nur einen Anfang dar. Es ist ijrfüruer;!ich. dass im Kartell diese ganzen Fragen in intensiver Welse durchdacht und durchgesprochen werden. Am Tage darauf hielt dann Herbert Foerder sein Referat über: ...Pdiiischc Erziehung und Aufgaben im K.J.V." Er ging von der-gegenwärtigen Situation des Zionismus aus, sprach über das Problem der Jewish Agency und im Zusammenhang damit über die Aufstellung dis sogenannten Konsolidierungsbudgets und versuchte, die wirklich* Krähekojistellation zu zeigen. Er legte in etwas ausführlicherer renn und in tieferen Zusammenhängen dar, mit welchen Faktoren die gerade stattfindende A.C.-Sitzung und überhaupt der zionistische