Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537789--6159-3544291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
193 Makkabäern erstanden, das ein freies Leben auf eigenem Boden erkämpfen wolle? Sie sind schon lange sfiil geworden, und fast keiner ist da zu finden, wo es harte Arbeit gilt um den Aufbau Palästinas. „Philister heisst man, und alles ist aus". Doch niemand würde ihnen verübein, dass sie im Philis:eiMini gelandet und in der Wirtschaft verhaftet sind. Es gibt zwangsläufige Entwicklungen, und der Kampf um die sogenannte Exis enz nimmt leider jeden hart mit. Aber Schande und Schmach ist es, dass viele, viele primitivster zionisiischer Pflicht Erfüllung weigern. „Für Judas Ehre . unser Blut und Leben!" Zum Donnerwe iei\ schwur man es denn mit der Menralreserv: tion, „dem insgeheimen Vorbehalt, das Erklärte nicht zu wollen?" War das n u r Feststimmung und leere Form? Kann man Jahrzehnte hindurch sich selbst und die andern über seine walve Gesinnung in Täuschung halten? . Die $chwurberci;en von anno dazumal mögen aber versichert und damit beruhigt sein: Der Zionismus, dem sie ihr Wort verpfändet haben, ist vornehm genug, die Einlösung nur in einem sehr bescheidenen Rahmen zu fordern. Er will nicht das Blut, und er will nicht das Leben. Das Leben, der Güter höchstes, in Frage zu stellen, bleibt den Wenigen vorbehalten, die a'.s Chaluzim in den Sumpfgegenden arbeiten und die es ablehnen, dafür verherrlicht zu werden. Der Zionismus fordert nur eines; Die sichtbare Leistung für Palästina, ein Tun, höchst ungefährlich, garnicht zeitraubend, doch scheinbar vielen wesentlicher a's das Leben: Geld. Keren Hajessöd heisst der Kolcnisations- und Immigratiensfends des jüdischen Palästinaaufbaus. In seinem moralischen Gewicht sowie in der Grösse seiner Aufgaben ist er unvergleichbar allen anderen zionistischen Finanzinstituten. Keren Hajessödhat die Funktionen zu erfüllen, die bei normalen Völkern dem Staate obliegen. Er will nicht den Aufbau leisten, sondern die ß e d i n g u n - g e n schaffen, unter denen allein der Aufbau erfolgen und das freie Spiel der Kräfte sich entwickln kann. Es! gibt keine Möglichkeit privatwirtschaftlicher Betätigung in Palästina, wenn nicht die jüdische Gemeinschaft für die „unproduktiven", aber unerlässlichen Ausgaben die Gelder zur Verfügung stellt. Die Notwendigkeit des Keren Hajessöd zu beweisen ist leicht, doch das gehört nicht in unseren /'.usammenhang. Hier ist zu sagen: Der Keren Hajessöd existiert, arbeitet seit Jahren und beruht auf dem Beschluss des -Zionistenkcngresses. Kein Z i o n i s t h a t das Recht, gegen ihn zu remonstrieren. In Fra gen der Anschauung gibt es keinen Bekenntniszwang, eine Frage der politische n Z w e c k m ä s s i g k e i t wird durch Besch luss entschieden. Wer Disziplin weigert dem Votum der höchsten Instanz, ist ein S c h ä d 1i n g. Sehlimmer noch als die „prinzipielle14 Gegnerschaft mit ideologischen Ausflüchten ist die Bagatellisieriuig des Keren Hajessöd. Man