Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537789--6158-3544290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 Ist das noch Zionismus? Arbeit anderer beteiligen, repräsentieren nicht ihren ganzen Kreis und können ihn auch nicht von seinen Verpflichtungen absoiutieren. Dass der einzelne machtlos ist, zeigt die Gegenüberstellung des planlosen, uneinheitlichen- Siedlimgsgedankens aller Zionisten vor dem Kriege und die durchdachte, wenn auch jedes Mal anders geartete, Dorf^ründung ostjüdischer Chaluzim nach dem Kriege. Nur Gemeinschaftsarbeit wird Palastina aufbauen, agrikultureU und industriell. Nur Gemeinschaftsarbeit wird sich verständnisvoll, :uu" welchem Gebiete auch immer, in die Hände arbeiten. Daher liegt die I Iaupiwrantworlung für den Aufbau Palästinas in den zionisti- Nchen Gemeinschaften, deren Existenzberechtigung sich nur dadurch erweisen kann, dass sie ihre Menschen gemeinschaftlich einem bestimm- ''eii Ziele zuführt. Das gilt auch für das K.J.V. Ist das noch Zionismus? von * * * Nachfolgend bringen wir ein Mahn wort aus der Feder eines älteren Bundesbruders. Wir bedauern es lebhaft, daß große Teile unserer Altherrenschait ihrer Keren Hajessod- Pf licht bisher nicht genügt haben und eiinnern daran, daß laut Kartelltagsbesehluö jeder K. J. Yer zur Maasserzahlung verpflichtet ist. D.e Red. Es gab einmal eine Zeit, da war bei uns das Spiel beliebt, die Zionisten nach ihrer mehr oder weniger guten Gesinnung zu werten Glaubt jemand, dass nur besonders Erleuchtete sich hieran beteiligten.- Keine Spur! Die Qualifizierung und Rangordnung, die man vornahm, verlangte gar nicht die gründliche Sektion des seelischen Bereiches. Es gab ja genug Anhaltspunkte, praesumptiones, bei deren Vorhandensein der Tatbestand der gtr.en zionistischen Gesinnung erfüllt war Wer sich radikal äusserte und gar seine Zeit hergab für Aemter und Posten, wer Jugend „führe" und Kurse abhielt, wer immer dabei war, wo Beratung gepflogen wurde über die grossen Fragen der (meist recht kleinen' Vereins-) Politik, der war eben ein Ganzer und rangierte obenan. Es gab aber schon' damals den oder jenen, der dieses Spiel nicht mitmachen wollte, weil sein Blick sich nicht trügen liess von dem Lärm, den die grossen Worte und Gesten bereiteten. Doch wer es wagte, besonders geräuschvolle Akteure als Geschaftlhuber zu bezeichnen und an der Echtheit und Haltbarkeit der Gesinnung seine* Zweifel auszusprechen, fand gewöhnlich kein Ohr. Er war Skeptiker und Miessmacfoer. Und der Chor der Allzuvielen brüllte ihn nieder. Ich frage: Was ist aus den Vielen geworden, die Zion im Munde führten und die jüngeren lehrten es sei ein neues Geschlecht von